Micron läuft. Jahresanfang bis heute, in Euro gerechnet: plus 192 Prozent. Das ist keine schlechte Rendite für knapp acht Monate. Und dennoch dreht sich gerade etwas im Speichermarkt, das Anleger nicht ignorieren sollten.
Günstig oder nicht?
Memory-Aktien sehen auf den ersten Blick billig aus. Micron bei rund 12x Forward-P/E, während der Sektor im Median bei gut 32x notiert. Das klingt nach Schnäppchen. Ist es aber nicht unbedingt. Denn genau so verhalten sich Speicherchip-Aktien an der Spitze eines Zyklus: Die Gewinne explodieren, die Multiples fallen, und dann denkt jeder, er kaufe günstig ein. Diesmal allerdings ist die Situation tatsächlich anders als in früheren Zyklen. Die Nachfrage ist durch mehrjährige KI-Investitionsprogramme strukturell abgesichert, das Angebot holt so schnell nicht auf, und die Preise bleiben ein Hebel bis weit in 2027 hinein.
Das heißt: Die Gewinne könnten noch weiter wachsen. Die Multiples sind also nicht zwingend ein Warnsignal. Aber günstig sind sie eben auch nicht.
Microns LTA-Wette
Was Micron in den vergangenen Monaten aufgebaut hat, ist durchaus respektabel. Der Konzern hat strategische Kundenvereinbarungen abgeschlossen, sogenannte Take-or-Pay-Verträge, die weder kündbar sind noch einseitig neu verhandelt werden können. Über 22 Mrd. USD an finanziellen Zusagen verteilt auf 16 Vereinbarungen, mit dem Ziel, rund die Hälfte des Umsatzes auf diese Art abzusichern. Preisuntergrenze inklusive, Preisobergrenze ebenfalls. Das schützt nach unten, kostet aber Upside.
Und dann ist da noch Seoul
SK Hynix notiert seit Juli an der Nasdaq. Das klingt nach einer Fußnote, ist aber mehr. Denn der Hauptgrund für den massiven Bewertungsabschlag gegenüber Micron war schlicht der erschwerte Zugang für US-Investoren. Dieser Grund fällt nun weg. SK Hynix bei ~6x Forward-P/E, ähnliche Preisumgebung, ähnliche Nachfrageseite, dazu noch HBM-Marktführer und Nvidias wichtigster Lieferant für Hochbandbreitenspeicher. Und im zweiten Quartal 2026 lag die operative Marge bei 76 Prozent, steigend. Micron ist da nicht weit dahinter, hat aber den deutlich höheren Bewertungsaufschlag zu rechtfertigen.
Micron Technologies Aktie Chart
Was das für Micron-Anleger bedeutet
Wer aktuell Micron hält, muss deswegen jetzt nicht in Panik verfallen. Die LTA-Struktur schützt, die KI-Nachfrage ist real, und 192 Prozent YTD sprechen für sich. Aber wer jetzt neu einsteigen will, zahlt einen Aufpreis gegenüber einem Wettbewerber, der in fast jeder operativen Kennzahl mindestens gleichwertig ist. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei über 1.100 Euro. Heute stehen rund 12 Prozent weniger auf dem Kurszettel als noch vor einem Monat. Der Markt fängt an, Fragen zu stellen. Berechtigterweise.
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