Erst der Ausverkauf, dann die Kampfansage: Nach einer Verkaufswelle bei US-Chipwerten kontert Micron Technology am Donnerstag mit einer der größten Investitionsankündigungen der Firmengeschichte. Während Anleger zuletzt über ein mögliches Speicherchip-Überangebot ab 2027 grübelten, zeigt der Speicherhersteller lieber Zahlen als Zweifel.
Drei Milliarden für die Lieferkette
Micron will bis zu 3 Milliarden Dollar in den heimischen Halbleiter-Zulieferpark stecken. Kernstück ist eine strategische Finanzierung über 500 Millionen Dollar für GlobalWafers, das im texanischen Sherman eine Fabrik für 300-Millimeter-Siliziumwafer aufbaut. Im Gegenzug sichert sich Micron über einen Zehnjahresvertrag Zugriff auf große Mengen des Rohmaterials — GlobalWafers ist aktuell der einzige Wafer-Zulieferer im CHIPS-Programm, der solche Scheiben in den USA in großem Stil fertigen kann.
Die Ankündigung strahlte direkt auf einen Nachbarn aus: GlobalFoundries-Aktien zogen um rund 6 Prozent an, da der Auftragsfertiger über eine bestehende Partnerschaft mit GlobalWafers indirekt von der Kapazitätserweiterung profitieren dürfte. Der Deal steht noch unter Vorbehalt endgültiger Verträge und üblicher Genehmigungen.
250 Milliarden Dollar bis 2035
Die Wafer-Investition ist nur ein Baustein eines deutlich größeren Plans. Micron hebt sein gesamtes US-Investitionsvolumen bis 2035 auf über 250 Milliarden Dollar an — mit dem Ziel, künftig 40 Prozent seines DRAM-Bedarfs im eigenen Land zu produzieren. Am selben Tag feierte der Konzern in Clay im Bundesstaat New York den ersten Betonguss für sein neues Werk, das zur größten Chipfabrik in der US-Geschichte werden soll. Der Baufortschritt liegt gut ein Quartal vor dem ursprünglichen Zeitplan.
Konzernchef Sanjay Mehrotra verknüpfte die Ankündigung explizit mit der wachsenden Nachfrage nach Speicherchips im KI-Zeitalter — jenem Trend, der Micron zuletzt Rekordzahlen beschert, an den Börsen aber auch zunehmend Sorgen vor einem Nachfrageeinbruch nährt. Genau diese Sorge hatte Tech-Werte wie Micron, Broadcom und Marvell in den Tagen zuvor unter Druck gesetzt, nachdem eine monatelange Rekordrally ins Stocken geraten war.
Der Kontrast zur Stimmung der vergangenen Tage könnte kaum größer sein: Statt auf ein mögliches Überangebot 2027 zu reagieren, erhöht Micron den Einsatz. Im vorbörslichen US-Handel legte die Aktie nach der Ankündigung deutlich zu — ein erstes Signal, dass der Markt die milliardenschwere Standortsicherung zumindest kurzfristig honoriert.
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