Micron Aktie: HBM-Markt wächst bis 2030 auf 246 Milliarden

Trotz eines deutlichen Kursverlusts bleibt die Analystenstimmung für Micron optimistisch. Hohe HBM-Nachfrage und neue Fabrik in Singapur stützen die positive Bewertung.

Auf einen Blick:
  • Kursverlust von knapp 7 Prozent
  • Optimistische Analysten mit hohen Kurszielen
  • Investition in neue Fabrik in Singapur
  • Apple-Planung als mögliches Risiko genannt

Micron-Aktien beendeten die vergangene Handelswoche mit einem deutlichen Rücksetzer. Am Freitag verlor das Papier 6,96 Prozent und schloss bei 809,20 Euro. Die Marktkapitalisierung des Speicherchip-Herstellers beläuft sich damit noch immer auf umgerechnet 859,21 Milliarden Euro. Der Kursrutsch trifft eine Aktie, die von der Wall Street zuletzt mit deutlich höheren Kurszielen versehen wurde – ein Widerspruch, der sich vor allem aus dem angespannten Marktumfeld für Technologiewerte erklärt.

Analysten trauen Micron weiter viel zu

Bank of America hat ihr Kursziel für Micron zuletzt auf 1.550 Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bekräftigt. Analyst Vivek Arya begründet dies mit dem erwarteten Wachstum des Marktes für High-Bandwidth-Memory-Chips: Dieser soll bis 2030 von rund 35 Milliarden auf 246 Milliarden Dollar klettern, eine Versiebenfachung. Arya verweist zudem auf 16 mehrjährige Liefervereinbarungen, die Micron mit Kunden abgeschlossen hat – die HBM-Kapazität für das laufende Geschäftsjahr gilt bereits als vollständig verkauft.

Auch Investor Summit Research stuft Micron als Kauf ein, mit einem Kursziel von 1.219 Dollar. Die Analysten begründen dies mit einer erwarteten jährlichen Umsatzwachstumsrate von 50 Prozent und einem Gewinnwachstum von 76 Prozent bis zum Geschäftsjahr 2030. Der Wall-Street-Konsens fällt insgesamt optimistisch aus: 29 Häuser empfehlen die Aktie zum Kauf, nur eines rät zu Halten, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.569,29 Dollar.

Untermauert wird der Optimismus durch die jüngsten Quartalszahlen. Micron meldete für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 25,11 Dollar auf Non-GAAP-Basis – deutlich mehr als die von Analysten erwartete Marke von 20,28 Dollar. Es war bereits die achte Prognoseübertreffung in Folge. Für das laufende vierte Quartal stellt Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar, einen Gewinn je Aktie von etwa 31 Dollar und eine Bruttomarge von rund 86 Prozent in Aussicht.

Singapur als neuer Produktionsstandort

Parallel zu den Zahlen treibt Micron seine globale Kapazitätsausweitung voran. Der Konzern investiert 24 Milliarden Dollar über zehn Jahre in eine neue Waferfabrik in Singapur. Die doppelstöckig konzipierte Anlage soll in der zweiten Hälfte 2028 die Produktion aufnehmen, umfasst rund 700.000 Quadratfuß Reinraumfläche und schafft 1.600 neue Arbeitsplätze. Eine zugehörige HBM-Packaging-Anlage am selben Standort soll bereits 2027 zur Wertschöpfung beitragen. Micron betont dabei, die Kapazitäten flexibel steuern zu wollen, um ein Überangebot am Markt zu vermeiden.

Im globalen DRAM-Geschäft bleibt Micron hinter den beiden Platzhirschen. Samsung hält einen Marktanteil von 38 Prozent, SK Hynix kommt auf 29 Prozent, Micron auf 22 Prozent. Beide Konkurrenten haben zuletzt milliardenschwere Lieferabkommen mit Nvidia, Microsoft und Broadcom geschlossen und damit die Wettbewerbsdynamik im Speichermarkt weiter verschärft.

Belastungsfaktoren trüben das Bild

Dass die Aktie trotz der positiven Unternehmensnachrichten unter Druck geriet, hängt vor allem mit der allgemeinen Stimmung gegenüber Technologiewerten zusammen. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor im Juli rund 17 Prozent, nachdem mehrere Hyperscaler ihre Investitionspläne für künstliche Intelligenz drastisch erhöht hatten und dadurch Zweifel an der Rentabilität der Ausgaben aufkamen. Auch Micron blieb von dieser Verkaufswelle nicht verschont.

Hinzu kommt ein unternehmensspezifisches Risiko: Apple bemüht sich Berichten zufolge um eine Genehmigung der US-Behörden, chinesische Speicherchips einzusetzen. Micron ist als einer der wenigen großen US-Hersteller von dieser möglichen Diversifizierung der Lieferkette betroffen und könnte im Fall einer Genehmigung Marktanteile bei einem wichtigen Kunden verlieren.

Charttechnisch notiert die Aktie derzeit 4,02 Prozent unter ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rücksetzer den kurzfristigen Trend bereits eingetrübt hat, auch wenn die fundamentale Story rund um HBM-Nachfrage und Kapazitätsausbau intakt bleibt.

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