Goldman Sachs hat das Kursziel für Micron mehr als verdoppelt — auf 900 Dollar. Trotzdem bleibt die Bank bei „Neutral“. Der Grund: ein überfüllter Trade und zu hohe Erwartungen kurz vor den Quartalszahlen.
Starke Woche, verhaltener Freitagsabschluss
Micron schloss die Woche bei 848,70 Euro — ein Tagesrückgang von 1,36 Prozent. Das klingt nach Schwäche, ist aber eher Konsolidierung nach einem Lauf, der sich sehen lassen kann. In sieben Tagen legte die Aktie 12,41 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 215 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt knapp 158 Prozent. Das spiegelt wider, wie radikal der Markt Micron in kurzer Zeit neu bewertet hat. Der RSI liegt bei 61,5 — erhöht, aber noch kein Extremsignal.
25 Milliarden Dollar für die HBM-Wette
Micron erhöhte seine Investitionsplanung für das Geschäftsjahr 2026 um fünf Milliarden Dollar auf über 25 Milliarden. Für 2027 plant das Management weitere zehn Milliarden obendrauf — für neue Chipfabriken in den USA und Taiwan.
Der Treiber dahinter ist High Bandwidth Memory, kurz HBM. Die Nachfrage aus dem KI-Infrastrukturbereich ist enorm. Microns HBM4-Kapazitäten für 2026 sind bereits vollständig unter Langzeitverträgen vergeben. Das gibt dem Unternehmen hohe Planungssicherheit für die nächsten 18 Monate.
Allerdings warnen einige Analysten vor den Risiken. Hohe Investitionen belasten den freien Cashflow kurzfristig. Und die Chipbranche ist historisch zyklisch — Überkapazitäten entstehen schnell.
Die entscheidende Woche beginnt
Ab dem 14. Juni läuft das VLSI-Symposium in Honolulu. Bis zum 18. Juni diskutieren Branchenführer dort neue Chip-Architekturen. Microns Fortschritte bei 12-lagigem HBM3E und frühen HBM4-Entwicklungen dürften dabei besondere Aufmerksamkeit bekommen.
Das eigentliche Ereignis folgt am 24. Juni: die Quartalszahlen für das dritte Geschäftsquartal. Micron hat einen Umsatz von rund 33,5 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt — ein Plus von 260 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Kein Wunder, dass die Erwartungen hoch sind.
Ob der aktuelle Bewertungsaufschlag gerechtfertigt ist, werden diese Zahlen zeigen. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 585,33 Euro liegt weit entfernt, das Allzeithoch bei 938,70 Euro ist die nächste Hürde. Zwischen diesen Marken entscheidet sich in den kommenden zwei Wochen, ob der HBM-Superzyklus noch Luft hat — oder seinen Höhepunkt bereits gesehen hat.
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