Wer Micron Technology im Juni auf dem Hoch gekauft hat, sitzt auf einem satten Verlust. Wer vor einem Jahr einstieg, sitzt trotz allem noch auf einem Plus von mehr als 600 Prozent. So viel Kontext braucht es, um den aktuellen Ausverkauf richtig einzuordnen, denn die Schlagzeilen lesen sich gerade so, als stünde der Memory-Sektor vor einem beispiellosen Kollaps.
Auch Seoul zittert
Nicht nur Micron. SK Hynix rutschte in dieser Woche fast auf die Tiefs vom späten April zurück, Samsung ist ebenfalls unter Druck. Der koreanische Retail-Investor, der gehebelt in seine Chip-Lieblinge gegangen ist, spürt das gerade schmerzhaft. Am US-Markt hat die Neubewertung das frische ADR-Listing von SK Hynix in denkbar ungünstiger Stimmung erwischt. Der Markt rotiert raus aus den großen Memory-Gewinnern, und das mit einiger Entschlossenheit.
Preise können nicht ewig steigen
Das ist die eigentliche Nachricht hinter dem Kursrückgang. DRAM-Preise legten zuletzt rund 30 Prozent im Quartalsvergleich zu. Das ist kein Regime, das sich auf Dauer hält. TrendForce hat darauf hingewiesen, SK Group hat gewarnt. Wer glaubt, dass diese Art von Preisspirale noch zwei, drei weitere Jahre so weiterläuft, irrt sich wohl. Die Frage ist nicht ob, sondern wann das ASP-Wachstum zu bremsen beginnt.
Dennoch: Dass der Markt das einpreist, ist kein schlechtes Zeichen. Das EBITDA-Multiple von Micron liegt inzwischen bei 4,77x, niedriger als in den vergangenen zehn Jahren. Wer auf einen Einstiegspunkt gewartet hat, bekommt gerade einen.
HBM4 und der Nvidia-Effekt
Was sich strukturell nicht verändert hat: die Nachfrage. Nvidias Vera-Rubin-Architektur setzt auf HBM4, die Speicherbandbreite soll dabei 2,8-mal höher sein als beim Vorgänger Blackwell Ultra mit HBM3E. SK Hynix peilt 2027 für die Massenproduktion von HBM4E an. AMD hat auf seinem „Advancing AI”-Event ein Beschleuniger-Marktpotenzial von 1,4 Billionen US-Dollar skizziert, Gesamtrechenmarkt rund 2 Billionen. Niemand bremst beim KI-Ausbau. Die Hyperscaler fahren 2027 im Schnitt negative Free-Cashflow-Margen, weil sie so massiv in KI-Infrastruktur investieren. Das ist kein Zeichen von Schwäche, das ist Commitment.
16 Verträge als Puffer
Micron hat zuletzt 16 langfristige Liefervereinbarungen abgeschlossen. Das schafft Planbarkeit in einem Markt, der historisch alles andere als planbar war. Selbst wenn die Free-Cashflow-Marge irgendwann unter 50 Prozent fällt, weil mehr Angebot auf den Markt kommt, ist das nicht dasselbe wie der Absturz von 2023, als das Unternehmen tief in die roten Zahlen rutschte. Die Wunden von damals sitzen noch. Die Memory-Hersteller wissen, was passiert, wenn sie überinvestieren.
Größere Kontextfenster bei KI-Modellen brauchen mehr Speicher, nicht weniger. Das ist der strukturelle Boden unter dem ganzen Zyklus. Micron ist zum ersten Mal seit Juli letzten Jahres überverkauft. 4,77x EBITDA. Wer noch keinen Einstieg gefunden hat, schaut gerade auf eine zweite Chance.
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