Es reicht Micron offenbar nicht, Speicherchips zu verkaufen. Der Halbleiterhersteller will auch am Aufstieg seiner Kunden verdienen. Am Montag gab das Unternehmen bekannt, eine Vereinbarung mit Anthropic unterzeichnet zu haben, dem KI-Entwickler hinter dem Coding-Assistenten Claude Code. Darin steckt beides: ein Liefervertrag für Memory- und Storage-Produkte und eine strategische Beteiligung an Anthropics jüngster Finanzierungsrunde.
965 Milliarden Dollar Bewertung, und Micron ist dabei
Anthropic hatte Anfang Juni vertraulich Unterlagen für einen US-Börsengang eingereicht, nachdem die Series H insgesamt 65 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Die implizite Bewertung: 965 Milliarden Dollar. Micron ist nun als Investor der Series H mit an Bord. Finanzielle Details, also wie viel Micron investiert hat und zu welchen Konditionen der Liefervertrag läuft, nannte keines der beiden Unternehmen.
Tom Brown, Mitgründer und Chief Compute Officer von Anthropic, brachte es so auf den Punkt: „Unsere Compute-Strategie hängt davon ab, jede Ebene des Stacks richtig zu gestalten, und Memory und Storage sind entscheidend dafür, wie effizient wir Claude trainieren und bereitstellen können.“ Das klingt nicht nach einem Einkäufer, der den günstigsten Anbieter sucht. Das klingt nach einem, der einen Partner braucht.
Micron nutzt Claude selbst, und zwar schon länger
Was dabei fast untergeht: Micron setzt Claude-Modelle intern bereits ein. Für Coding, für agentische Anwendungsfälle in Engineering und Fertigung, in Unternehmensfunktionen. Diese Nutzung soll ausgebaut werden. Lieferant und Kunde, Investor und Nutzer, die Beziehung ist vielschichtig, und das ist wohl kein Zufall.
Gemeinsam wollen beide Unternehmen analysieren, wie sich Memory- und Storage-Systeme in KI-Workloads verhalten und mit dem breiteren Infrastruktur-Stack zusammenspielen. Das ist durchaus strategisch gedacht: Wer die Architektur mitgestaltet, verkauft morgen auch die passenden Chips.
Die Aktie braucht keine weiteren Argumente mehr
Anthropic hat in den vergangenen Monaten Deals mit CoreWeave, Broadcom und SpaceX abgeschlossen, um Rechenkapazitäten zu sichern. Micron reiht sich in diese Liste ein, als Lieferant mit Eigeninteresse. Und der Markt quittiert das entsprechend: plus 4,4 Prozent am Montag, plus 52 Prozent in den vergangenen 30 Tagen, plus 281 Prozent seit Jahresbeginn. Das 52-Wochen-Tief lag bei 89,51 Euro. Das Hoch bei 1.051 Euro. Wer da noch auf einen günstigeren Einstieg gewartet hat, wartet wohl noch.
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