Manassas, Virginia, klingt nicht nach dem Zentrum der globalen Halbleiterindustrie. Doch genau dort hat Micron Technology jetzt etwas vollbracht, das in der amerikanischen Chipgeschichte tatsächlich einmalig ist: Die fortschrittlichste Speichertechnologie, die je auf US-Boden produziert wurde, läuft.
Was der 1a-Knoten bedeutet
Der sogenannte 1a-DRAM-Knoten ist Microns aktuell modernste DDR4-Technologie. Für Automobilhersteller, Rüstungsunternehmen, Medizintechnik und die Luft- und Raumfahrt ist das kein Randprodukt, sondern Kernbedarf. Diese Branchen brauchen Speicher mit langen Lebenszyklen, also keine Chips, die nach zwei Jahren vom Markt verschwinden. Manassas liefert genau das.
Bis Ende 2026 soll die qualifizierte Serienproduktion anlaufen. Die mehr als zwei Milliarden Dollar schwere Investition soll Microns DDR4-Waferkapazität am Standort vervierfachen. Das ist kein symbolischer Akt.
Politisches Schulterklopfen inklusive
Zur Feier erschienen US-Handelsminister Howard Lutnick, Handelsbeauftragter Jamieson Greer, zwei US-Senatoren und der Sprecher des Repräsentantenhauses von Virginia. Lutnick ließ es sich nicht nehmen zu sagen: „Wir bauen endlich wieder Speicherchips in Amerika.“ Greer verwies auf Trumps Zollprogramm als Treiber dieser Investition. Wer die politische Bühne kennt, weiß: Solche Veranstaltungen kosten Zeit, und Politiker erscheinen nur, wenn der Fototermin sich lohnt.
CEO Sanjay Mehrotra bedankte sich artig bei Präsident Trump, Gouverneurin Spanberger und gefühlt jedem Bürgermeister zwischen Washington und Richmond. Das gehört dazu, wenn man staatliche Fördergelder einstreicht.
200 Milliarden, 90.000 Jobs
Manassas ist nur ein Baustein. Micron hat im Januar in New York den Grundstein für einen weiteren Speicherkomplex gelegt, und in Boise, Idaho, soll Mitte 2027 der erste neue Fab anlaufen. Ein zweiter Idaho-Fab ist ebenfalls in Vorbereitung. Zusammen sollen diese Projekte rund 90.000 Arbeitsplätze schaffen und Microns 200-Milliarden-Dollar-Investitionsplan in die USA füllen.
Micron Technology Aktie Chart
Micron ist, das sollte man nicht vergessen, der einzige US-amerikanische Hersteller von Speicherchips überhaupt. Samsung und SK Hynix dominieren den globalen Markt. Dass Washington da kräftig mithilft, ist also weniger Industriepolitik als nationale Sicherheitspolitik.
Die Aktie hat das längst eingepreist
Wer jetzt denkt, das sei eine Kaufempfehlung verkleidet als Nachricht: Die Micron-Aktie hat seit Jahresbeginn bereits gut 151 Prozent zugelegt. Der Markt weiß, was in Manassas gebaut wird. Die Frage ist nicht, ob Micron wächst, sondern ob das Tempo der Kursentwicklung mit dem Tempo der Fab-Eröffnungen mithalten kann. Qualifizierte 1a-Produktion bis Ende 2026, erster Idaho-Fab Mitte 2027: Das sind noch einige Quartale, in denen Anleger auf Versprechen setzen, nicht auf Umsätze.
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