Micron Technology gießt das erste Fundament für die größte Chip-Fabrik in der Geschichte der USA. Am 9. Juli 2026 startete in Clay im US-Bundesstaat New York die eigentliche Bauphase des 100-Milliarden-Dollar-Mega-Campus. Der Konzern liegt damit mehr als ein Quartal vor dem ursprünglichen Zeitplan.
Beschleunigtes Bautempo in New York
Der Campus soll am Ende bis zu vier Fertigungsanlagen umfassen. Gouverneurin Kathy Hochul bestätigte den Übergang von der Standortvorbereitung zur eigentlichen Konstruktion. Ein Konsortium aus Bechtel, Gilbane und Jacobs übernimmt die Bauarbeiten.
Micron hat bereits Aufträge im Wert von 675 Millionen Dollar an Firmen aus dem Bundesstaat New York vergeben. Für jede einzelne Fabrik braucht der Konzern so viel Beton wie für vier Empire State Buildings zusammen. Das Projekt soll rund 9.000 direkte und bis zu 40.000 indirekte Jobs in der Region schaffen.
Investitionsziel steigt auf 250 Milliarden Dollar
Parallel zum Baufortschritt hat Micron sein langfristiges US-Investitionsziel deutlich angehoben. Der Konzern plant nun Investitionen von über 250 Milliarden Dollar in den USA bis 2035. Damit will Micron bis Mitte des kommenden Jahrzehnts 40 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion in den USA fertigen.
Zu dem Plan gehört eine 3-Milliarden-Dollar-Initiative zur Absicherung der heimischen Lieferkette. Ein zentraler Baustein: eine strategische Finanzierungsvereinbarung über 500 Millionen Dollar mit GlobalWafers für dessen 300-mm-Wafer-Werk in Sherman, Texas. Der auf zehn Jahre angelegte Liefervertrag sichert Micron kritische Materialien, während die neuen Werke in New York und Idaho hochlaufen. In Idaho sollen die ersten Wafer Mitte 2027 vom Band laufen.
KI-Nachfrage sorgt für Angebotslücke
Hinter der aggressiven Expansion steckt ein massives Ungleichgewicht am Speicherchip-Markt. Wedbush-Analyst Dan Ives bezeichnete Speicherchips kürzlich als den „goldenen Sohn“ der KI-Revolution und bezifferte das Verhältnis von Nachfrage zu Angebot auf etwa 15 zu 1. Ein Marktgleichgewicht erwarten Beobachter frühestens 2028.
Die Geschäftszahlen bestätigen den Boom. Im dritten Fiskalquartal 2026 meldete Micron einen Umsatz von 41,5 Milliarden Dollar — ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kapazitäten für High-Bandwidth-Memory-Chips sind bis Ende 2026 und weit ins Jahr 2027 hinein bereits ausverkauft, da Hyperscaler ihre Investitionen in KI-Rechenzentren immer weiter hochfahren.
Aktie unter Druck trotz Rekordzahlen
An der Börse zeigt sich das Bild zuletzt gemischter. Der Nasdaq-Börsengang des Konkurrenten SK Hynix hat die Micron-Aktie zuletzt belastet. Am Montag schloss das Papier in Europa bei 823,80 Euro, nach einem Rückgang von knapp 12 Prozent innerhalb der vergangenen 30 Tage.
Die längerfristige Kursentwicklung relativiert diesen Rücksetzer allerdings deutlich. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 206 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von über 710 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 969 Milliarden Euro. Vom Rekordhoch bei 1.103,80 Euro, erreicht am 25. Juni 2026, ist die Aktie gut 25 Prozent entfernt.
Der 14-Tage-RSI notiert bei 46,1 — ein neutraler Wert. Er zeigt: Der Markt wägt gerade ab, ob die gewaltigen Investitionssummen die Rekordumsätze rechtfertigen. Bis sich Angebot und Nachfrage bei Speicherchips wieder annähern, dürfte diese Abwägung die Kursbewegungen von Micron weiter prägen.
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