Micron: 25,11 Dollar Gewinn je Aktie

Speicherhersteller Micron übertrifft Erwartungen deutlich und investiert Milliarden in Forschung. Analysten sehen trotz Rechtsstreitigkeiten weiteres Wachstumspotenzial.

Auf einen Blick:
  • Milliardenschwere Investition in Forschung
  • Umsatz und Gewinn übertreffen Prognosen
  • Rechtsstreitigkeiten mit Netlist laufen
  • Aktie trotz Rekordzahlen unter Druck

Manchmal erkennt man den Zyklus nicht an den Quartalszahlen, sondern daran, wohin ein Unternehmen sein Geld für die nächsten zehn Jahre steckt. Micron hat am Donnerstag Micron Research Labs vorgestellt, eine langfristig angelegte Forschungseinrichtung mit Sitz in Boise, hinter der ein geplantes Investment von 10 Milliarden Dollar über das kommende Jahrzehnt steht. Das ist kein Signal für einen Konzern, der an das Ende eines Booms glaubt. Es ist die Wette, dass der Hunger nach Speicher gerade erst beginnt.

Diese Wette lässt sich derzeit an fast jeder Kennzahl ablesen, die Micron veröffentlicht. Im dritten Geschäftsquartal, das Ende Mai schloss, verdiente das Unternehmen 25,11 Dollar je Aktie, während Analysten im Schnitt nur mit 20,28 Dollar gerechnet hatten.

Der Umsatz lag bei 41,46 Milliarden Dollar, deutlich über der Erwartung von 35,25 Milliarden. Für das laufende vierte Geschäftsquartal stellt Micron einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer operativen Marge, die das Management selbst als außergewöhnlich robust beschreibt.

Ein Markt, der enger wird statt lockerer

Was diesen Zyklus von früheren unterscheidet, ist die Aussage von Sumit Sadana, Chief Business Officer von Micron, der Mitte August auf einer Technologiekonferenz von KeyBanc erklärte, das Unternehmen sehe seit dem letzten Quartalsbericht stärkere Nachfragesignale und erwarte, dass das Kalenderjahr 2027 sogar noch enger werde als 2026. Das ist eine bemerkenswerte Formulierung für eine Branche, die traditionell für ihre brutalen Auf- und Abschwünge bekannt ist.

Kein klares Zeichen, wann das Angebot der Nachfrage nachkommt – so beschreibt Micron selbst die Lage. Wer je die Speicherzyklen der vergangenen zwei Jahrzehnte verfolgt hat, weiß, wie ungewöhnlich diese Aussage ist.

Parallel dazu baut Micron seine strategische Reichweite über das Kerngeschäft hinaus aus. Mit dem neu aufgelegten Paradigm Fund von Micron Ventures, ausgestattet mit 250 Millionen Dollar, will das Unternehmen entlang der gesamten Technologiekette künstlicher Intelligenz investieren – von Modellarchitekturen über Recheninfrastruktur bis zu physischen KI-Anwendungen. Wer Speicher verkauft, will offenbar auch verstehen und mitgestalten, wofür dieser Speicher gebraucht wird.

Rechtsstreit als Randnotiz eines größeren Bildes

Nicht alles läuft reibungslos. Netlist hat vor der US-Handelskommission ITC neue Verfahren gegen Micron sowie gegen Supermicro, Hewlett Packard Enterprise und Lenovo eingeleitet und wirft eine Verletzung von vier Patenten vor, die DDR5-RDIMM- und MRDIMM-Speicherprodukte betreffen – Produkte, die als Kern des KI-Servergeschäfts von Micron gelten.

Zusätzlich reichte Netlist Klage vor einem Bundesgericht in Kalifornien ein. Auf der anderen Seite konnte Micron einen juristischen Erfolg verbuchen: Ein Bundesgericht in Washington entschied, dass der chinesische Konkurrent Yangtze Memory Technologies keine Ansprüche wegen angeblich irreführender Werbung gegen einen von Micron unterstützten Bericht geltend machen kann.

Auch bei den Eigentümerverhältnissen zeigt sich ein geteiltes Bild. Soros Capital machte Micron laut Meldestichtag Ende Juni zu seiner größten Position, während Bridgewater Associates seinen Bestand um rund 92 Prozent reduzierte.

CEO Sanjay Mehrotra verkaufte im Rahmen eines im Januar aufgelegten Handelsplans Ende Juli gut 31.000 Aktien zu Kursen zwischen 906,48 und 941,60 Dollar – Insiderverkäufe, die sich über die vergangenen drei Monate auf einen Nettobetrag von gut 13 Millionen Dollar summierten.

Was der Kurs von der Erzählung hält

An der Börse hat sich diese Erzählung längst niedergeschlagen: Seit Jahresanfang steht die Aktie mit 228 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sind es 729 Prozent.

Zuletzt allerdings hat sich der Schwung etwas verlangsamt. Am Freitag schloss das Papier bei 827,40 Euro, ein Rückgang von 0,8 Prozent, und liegt damit rund ein Viertel unter seinem Zwölfmonatshoch von 1.103,80 Euro.

Über die vergangenen 30 Tage bewegte sich der Kurs kaum, ein Minus von 1,5 Prozent bei einer annualisierten Volatilität von 95 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie nervös der Markt gerade ist, obwohl das operative Geschäft rekordverdächtig läuft.

Ist das eine Verschnaufpause oder der Anfang einer Neubewertung? Die kommenden Quartalszahlen, die Micron für den 22. September angekündigt hat, dürften darauf eine erste Antwort geben.

Bis dahin bleibt die eigentliche Frage bestehen, die Micron mit seinem Forschungslabor selbst aufwirft: Ob der aktuelle Superzyklus der Speicherbranche ein vorübergehendes Hoch ist – oder der Beginn eines strukturell veränderten Marktes, in dem künstliche Intelligenz den Speicherhunger dauerhaft neu definiert.

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