Micron Technology hat seine gesamte Produktion von High-Bandwidth-Memory für 2026 bereits vollständig verkauft. Das Unternehmen sicherte sich zudem über 16 mehrjährige Strategic Customer Agreements rund 100 Milliarden Dollar an Mindestumsatz bis 2030 zu, wie am Dienstag bekannt wurde.
Die Nachricht bestätigt, was Vorstandschef Sanjay Mehrotra zuletzt in einem Interview mit CNBC formulierte: Die Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren übersteige das Angebot derzeit um 50 Prozent, getrieben durch den strukturellen Umbau hin zu KI-orientiertem DRAM und NAND.
Kapitalrückgaben bleiben vorerst blockiert
Trotz der komfortablen Auftragslage kann Micron seinen Aktionären vorerst nicht direkt etwas zurückgeben. Regulatorische Auflagen aus der CHIPS-Act-Förderung untersagen dem Unternehmen größere Aktienrückkäufe bis zum 9. Dezember. Das dürfte einige Anleger enttäuschen, die angesichts der massiven Nachfrage auf schnellere Kapitalrückführungen gehofft hatten.
Gleichzeitig investiert Micron kräftig in die eigene Zukunft: Der neue Trainingscampus in Boise, Idaho, mit rund 5.600 Quadratmetern Fläche soll mithilfe von drei Millionen Dollar vom US-Handelsministerium den Fachkräftenachwuchs für die Halbleiterfertigung sichern.
Ergänzend dazu hat die Venture-Capital-Einheit Micron Ventures einen neuen Fonds mit 250 Millionen Dollar aufgelegt, der gezielt in KI-Startups der nächsten Generation investieren soll.
Führungswechsel soll KI-Wachstum absichern
Mit der Beförderung von Manish Bhatia zum President und Chief Operating Officer sowie Dr. Scott DeBoer zum President und Chief Technology and Products Officer stellt Micron seine Führungsspitze auf die KI-getriebene Wachstumsstrategie ein. Ergänzt wird dies durch die neu eröffneten „Micron Research Labs“, einen auf langfristige Forschung zu Speicher- und KI-Architekturen ausgerichteten Innovationshub in den USA.
Technisch bleibt die Fertigung von High-Bandwidth-Memory anspruchsvoll. Auf der Hot-Chips-Konferenz 2026 präsentierte Micron-Fellow Raghu Sreeramaneni Daten, wonach HBM3E für dieselbe Bitzahl die dreifache Waferfläche von DDR5 benötigt.
Anhand von Daten zu Metas Llama-3-Training zeigte er zudem, dass HBM-Ausfälle für 17,2 Prozent der ungeplanten Trainingsunterbrechungen verantwortlich waren – ein Hinweis darauf, wie technisch heikel die derzeit so gefragte Speichertechnologie tatsächlich ist.
Kurs zeigt Verdauungspause nach starker Rally
An der Börse hat die Aktie nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen zuletzt etwas Luft geholt: Binnen sieben Tagen gab das Papier um 3,4 Prozent nach, nachdem es sich in den vorangegangenen 30 Tagen um 12 Prozent verteuert hatte.
Am Mittwoch schloss die Aktie bei 806,00 Euro und legte damit um 0,9 Prozent zu. Anleger blicken nun auf den 30. September, wenn Micron seine Zahlen zum vierten Fiskalquartal 2026 vorlegen wird – ein Termin, der zeigen dürfte, ob sich die milliardenschweren Lieferverträge bereits in der Bilanz niederschlagen.
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