Die Rechnung schien zu Beginn wunderbar einfach. Metaplanet wollte Bitcoin auf der Firmenbilanz horten. Parallel dazu sollte der Bestand durch Optionsprämien und neue Aktien rasant wachsen. Ein Perpetuum mobile der Kryptowelt. In dieser Woche zeigt der Motor jedoch gewaltige Risse. Ein Blick auf den Aktienkurs erzählt die Geschichte gnadenlos.
Die Einnahmen aus Bitcoin-Optionen brachen im zweiten Quartal um 41 Prozent ein. Am Ende blieben 1,75 Milliarden Yen. Im vierten Quartal des Vorjahres lag dieser Wert noch bei über 4,2 Milliarden Yen. Der Rückgang offenbart eine massive Schwäche des Konzepts. Die Rendite ist kein fester Zinskupon. Sie hängt direkt an der Schwankungsbreite des Kryptomarktes.
Zuletzt pendelte Bitcoin recht träge um die Marke von 60.000 US-Dollar. Ohne starke Kursschwankungen fallen die Optionsprämien mager aus. Das Management reagiert darauf mit einem Achselzucken. Die Jahresprognose bleibt unverändert. Die Führungsetage verbucht den Einbruch offenbar als normale Marktschwankung.
An der Börse wächst derweil der Zweifel. Die Aktie handelt aktuell bei 1,13 Euro. Auf Jahressicht hat das Papier rund 88 Prozent an Wert verloren. Vom einstigen Hoch bei 9,68 Euro ist heute kaum etwas übrig.
Das eigentliche Drama spielt sich bei der fundamentalen Bewertung ab. Metaplanet wird mittlerweile mit einem Abschlag zum inneren Wert gehandelt. Der sogenannte mNAV-Faktor stürzte auf magere 0,72 ab. Noch im Juli 2025 zahlten Anleger den dreifachen Wert der hinterlegten Bitcoins.
Diese Kehrtwende blockiert die wichtigste Wachstumsmaschine des Unternehmens. Mit einem Bewertungsaufschlag konnte Metaplanet teure Aktien ausgeben und günstig Bitcoin kaufen. Unterhalb der Parität verwässert dieser Mechanismus den Wert für Altaktionäre. Die Folge: Stillstand. CEO Simon Gerovich brachte deshalb bereits Aktienrückkäufe ins Spiel. Eine formelle Ankündigung fehlt allerdings.
Nun sucht der Konzern einen völlig neuen Ausweg. Metaplanet plant die Übernahme von Siiibo Securities. Der Kaufpreis liegt bei rund 2,1 Milliarden Yen. Der Deal soll im Juni 2026 über die Bühne gehen und bringt eine wertvolle Wertpapierlizenz.
Die Strategie dahinter ist ehrgeizig. Der Konzern will den eigenen 250.000 Aktionären künftig direkte Bitcoin-Renditeprodukte anbieten. Auch die bestehenden Kunden von Siiibo sollen entsprechende Angebote erhalten. Japans gigantischer Markt für private Ersparnisse rückt ins Visier. Das Ziel: eine echte Vertriebsplattform.
Bis heute existiert das alles jedoch nur auf dem Papier. Die Menükarte steht. Die Küche hat aber noch kein einziges Gericht serviert. Nicht einmal die Übernahme selbst ist bisher rechtlich finalisiert.
Ein kurzes Tagesplus ändert nichts am düsteren Abwärtstrend. Die Aktie notiert meilenweit unter ihren Durchschnittslinien. Das langfristige Kaufziel bleibt zwar bestehen. Metaplanet will bis Ende 2027 stolze 210.000 Bitcoin anhäufen. Zuletzt hielt das Unternehmen gut 40.000 Krypto-Münzen.
Der Markt honoriert das schlichte Horten von Coins nicht mehr. Investoren fordern harte Beweise für ein tragfähiges Geschäftsmodell. Solange die Aktie unter ihrem inneren Wert notiert, bleibt das Papier hochriskant. Eine Rückkehr zur alten Stärke erfordert spürbare Plattform-Umsätze und weit mehr als nur pure Finanzakrobatik.
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