Meta Platforms: Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt!

Meta installiert Software zur Aufzeichnung von Mitarbeiteraktivitäten am Computer, um KI-Modelle zu trainieren. Das Unternehmen betont, die Daten nicht für Leistungsbewertungen zu nutzen.

Auf einen Blick:
  • Meta installiert Tracking-Tool
  • Erfasst werden Mausbewegungen, Klicks, Tastatureingaben und Bildschirmfotos
  • Daten sollen ausschließlich für KI-Training genutzt werden, nicht für Leistungsbewertungen
  • Meta plant ab 20. Mai den Abbau von 10 Prozent der weltweiten Belegschaft

Es gibt Unternehmen, die ihren Mitarbeitern erklären, warum sie überwacht werden. Und dann gibt es Meta. Der Konzern installiert auf den Computern seiner US-Angestellten eine Software namens „Model Capability Initiative“, kurz MCI, die Mausbewegungen, Klicks und Tastatureingaben aufzeichnet. Dazu kommen gelegentliche Schnappschüsse vom Bildschirminhalt. Für den Kontext, wie es in einem internen Memo heißt, das Reuters vorliegt.

Täglich arbeiten, täglich trainieren

Die Begründung ist so schlicht wie sie klingt: Metas KI-Modelle haben noch Probleme damit, nachzuahmen, wie Menschen mit Computern umgehen. Dropdown-Menüs, Tastaturkürzel, der ganz normale Arbeitsalltag eben. „Hier können alle Meta-Mitarbeiter einfach durch ihre tägliche Arbeit dazu beitragen, unsere Modelle zu verbessern“, steht im Memo eines leitenden KI-Forschungswissenschaftlers, gepostet in einem internen Kanal des Meta SuperIntelligence Labs Teams.

CTO Andrew Bosworth hatte einen Tag zuvor in einem separaten Memo angekündigt, die interne Datenerfassung im Rahmen der Initiative „Agent Transformation Accelerator“ auszuweiten. Die Vision dahinter, in Bosworth eigenen Worten: „Agenten erledigen primär die Arbeit, unsere Rolle ist es, sie zu steuern, zu überprüfen und zu verbessern.“

Kein Leistungscheck, versprochen

Meta-Sprecher Andy Stone betonte, die via MCI gesammelten Daten würden ausschließlich für das Modelltraining genutzt, nicht für Leistungsbeurteilungen. Welche Inhalte konkret als „sensibel“ gelten und damit von der Erfassung ausgenommen sind, ließ Stone offen.

Man muss das mal sacken lassen: Ein Unternehmen, das gerade den Abbau von 10 Prozent seiner weltweiten Belegschaft ab dem 20. Mai ankündigt, erklärt den verbleibenden Mitarbeitern gleichzeitig, dass ihre Mausbewegungen jetzt Trainingsdaten sind. Für die KI, die eines Tages ihre Jobs übernehmen soll.

Silicon Valley im Umbau

Meta ist dabei nicht allein. Amazon hat zuletzt rund 30.000 Stellen im Bürobereich gestrichen, Block hat fast die Hälfte seiner Belegschaft entlassen. Der Druck, Arbeitsprozesse durch KI-Agenten zu ersetzen, zieht sich durch die gesamte Branche.

Intern treibt Zuckerberg den Umbau konsequent voran. Es gibt einen neuen Jobtitel, „AI Builder“, der klassische Funktionsbezeichnungen ablöst. Es gibt ein neues Applied AI Engineering Team, das die besten Softwareentwickler des Konzerns zusammenzieht. Und nun eben das Tracking-Tool, das aus dem Arbeitsalltag der eigenen Leute Rohdaten für die nächste Modellgeneration macht.

Das Memo formuliert es freundlich: „Einfach durch ihre tägliche Arbeit.“ Was es nicht sagt: Die tägliche Arbeit läuft womöglich nicht mehr lange.

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