Manchmal verändert sich eine Branche nicht durch einen neuen Konkurrenten oder eine neue Technologie, sondern durch einen Gerichtssaal. Genau das passiert gerade in Oakland, Kalifornien.
Seit dem 18. August verhandelt ein Bundesgericht, ob Meta seine Plattformen absichtlich so gebaut hat, dass sie Kinder süchtig machen. 29 US-Bundesstaaten klagen, theoretisch geht es um bis zu 1,4 Billionen Dollar Strafe – realistischer werden von Beobachtern rund 200 Milliarden Dollar gehandelt.
Für ein Unternehmen, das seinen Wert seit Jahrzehnten aus Reichweite, Verweildauer und Werbeerlösen zieht, ist das keine Randnotiz. Es ist ein Angriff auf die Funktionsweise des Geschäfts.
Ein Whistleblower als Kronzeuge
Am Donnerstag sagte der frühere Meta-Engineering-Direktor Arturo Béjar aus, Zuckerberg habe Wachstum konsequent über Kinderschutz gestellt. Sein Satz „Man kann Mark Zuckerberg mit Kindern einfach nicht vertrauen“ dürfte in den Schlussplädoyers noch häufig zitiert werden.
Béjar beschrieb zudem eine interne „Don’t ask, don’t tell“-Praxis bei Nutzern unter 13 Jahren – man habe also lieber nicht genau hingesehen. Meta selbst weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet einen Whistleblower-Bericht vom vergangenen September, wonach 60 Prozent von 47 untersuchten Instagram-Sicherheitsfunktionen für Teenager unzureichend seien, als irreführend.
Der Prozess vor Richterin Yvonne Gonzalez Rogers soll rund sechs Wochen dauern, und selbst ein Richter warf Metas Anwälten am Donnerstag vor, beim Anwaltsprivileg „absolut falsch“ zu liegen.
Was auf dem Spiel steht, geht über Schadenersatz hinaus. Sollte Meta unterliegen, drohen laut Berichterstattung gerichtlich angeordnete Eingriffe in zentrale Produktmechanismen: der Like-Button, der Endlos-Scroll, Autoplay, der empfehlende Algorithmus selbst könnten zur Disposition stehen. Das wäre kein Bußgeld, das man einfach abbucht – das wäre ein Eingriff in die Architektur, mit der Meta seit Jahren Aufmerksamkeit monetarisiert.
Ein globaler Dominoeffekt
Und Oakland ist nur ein Schauplatz. Parallel verschärft die EU-Kommission ihre Untersuchung, ob Facebook und Instagram durch süchtig machendes Design die psychische Gesundheit von Minderjährigen gefährden – eine Prüfung, die seit Mai 2024 unter dem Digital Services Act läuft und mit einer Strafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes enden könnte.
In den USA haben mehr als 1.300 Schulbezirke Meta und Google verklagt. Australien denkt über eine gesetzliche „Duty of Care“ für digitale Plattformen nach.
Was in Kalifornien verhandelt wird, könnte laut Beobachtern zur Blaupause für TikTok, YouTube und Snapchat werden – Google und YouTube wurden in einem verwandten Verfahren bereits als rechtlich fahrlässig eingestuft, in früheren Einzelprozessen kassierte Meta ein Urteil über 4,2 Millionen Dollar, Google eines über 1,8 Millionen Dollar.
Der Rückzug einer 15-jährigen Klägerin gegen Meta, Google und Snap am Donnerstag ändert daran wenig – zwei weitere Testfälle sind für Oktober terminiert.
Was die Anleger davon halten
Der Aktienmarkt reagiert bislang eher nüchtern als panisch. Meta schloss am Donnerstag bei 467,50 Euro, praktisch unverändert zum Vortag, doch das Bild der vergangenen Wochen ist deutlich rauer: minus 8,3 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht, minus 15 Prozent im Monatsvergleich, minus 16 Prozent seit Jahresbeginn.
Vom 52-Wochen-Hoch aus dem September trennen die Aktie inzwischen 31 Prozent, während sie nur gut drei Prozent über ihrem März-Tief notiert. Der RSI von 34,7 signalisiert eine überverkaufte Lage, die Volatilität von 42 Prozent auf 30-Tage-Sicht zeigt, wie nervös der Markt das Prozessrisiko einpreist.
Vielleicht ist das die eigentliche Ironie dieser Geschichte: Ein Konzern, der sein gesamtes Modell auf das Halten von Aufmerksamkeit gebaut hat, könnte am Ende von genau jenem Mechanismus eingeholt werden, der ihn groß gemacht hat. Ob Meta gewinnt oder verliert – 25 weitere Staaten und Tausende private Klagen warten schon. Der Prozess in Oakland ist nicht das Ende der Geschichte, sondern höchstens ihr erstes Kapitel.
Meta-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Meta-Analyse vom 21. August liefert die Antwort:
Die neusten Meta-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Meta-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
