Meta will mit seiner KI endlich Geld verdienen, und zwar direkt beim Nutzer. Das Unternehmen hat heute sein neues Modell Muse Wonder vorgestellt, das nur gegen Abo-Gebühr zu haben ist. Die Aktie legte im US-Handel zeitweise knapp vier Prozent zu.
Bezahlmodell statt Gratis-Angebot
Wonder gilt dem Konzern als sein bislang fortschrittlichstes Modell für persönliche und berufliche Aufgaben. Es soll etwa Versicherungsfälle abwickeln, Mietverträge auslegen oder Anwendungen programmieren. Nutzer der Muse-App brauchen dafür ein Abo für 20 oder 100 Dollar im Monat.
Die stärkere Variante Muse Wonder Full gibt es nur für Entwickler im Programmierwerkzeug Muse Code, ab 50 Dollar monatlich. Der Zugang über die Entwicklerschnittstelle kostet mehr als die Standardtarife. KI-Chef Alexandr Wang kündigte an, die Preise blieben dennoch „meaningfully below“ den führenden Modellen von OpenAI und Anthropic.
Technisch setzt Meta auf zwei Funktionen. „Active Memory“ speichert Informationen über Gespräche hinweg, „Active Focus“ hält das Modell an schwierigen Aufgaben, lässt es Alternativen probieren und bei Bedarf nachfragen. Die stärksten Schutzmaßnahmen gegen Cyber-Missbrauch gibt es vorerst nur im Bezahlmodell.
Die Veröffentlichung unterstreicht den Versuch, neben dem Werbegeschäft neue KI-Erlöse zu erschließen. Konzernchef Mark Zuckerberg sagte, Meta habe die KI-Spitze erreicht und zu den Konkurrenten aufgeschlossen. Höhere Investitionen will er nicht bremsen: Man arbeite bereits „am nächsten Schritt“.
Kritik am Agenten, Rally an der Börse
Ganz reibungslos läuft der Agent Muse nicht. Einige Nutzer berichten in sozialen Medien, er habe ohne Erlaubnis auf private Nachrichten zugegriffen. Meta bestreitet das. Wang verwies darauf, Nutzer hätten Zugriffe womöglich früher im Gespräch freigegeben und vergessen. Der Konzern will Anwender nun besser aufklären.
An der Börse überwiegt bislang der Optimismus. Die Aktie hatte schon in der Vorwoche mehr als zehn Prozent gewonnen und führte heute den schwächelnden Nasdaq 100 an. Marktteilnehmer positionieren sich offenbar vor den Quartalszahlen am 27. Oktober.
Das Analystenbild bleibt breit gefächert. Im Konsens liegt das Kursziel bei knapp 795 Dollar, das entspricht nur noch rund 6,7 Prozent Luft nach oben. Dominic Ball von Rothschild nennt 1.050 Dollar, Ken Gawrelski von Wells Fargo 1.000 Dollar. Beide raten weiter zum Kauf.
Für das dritte Quartal erwartet der Markt einen Umsatz von 63,3 Milliarden Dollar nach 51,2 Milliarden im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte wegen der hohen Investitionen auf 7,04 Dollar sinken, nach 9,41 Dollar im Vorjahr. Am 27. Oktober zeigt sich damit, ob die Anleger die höheren KI-Ausgaben weiter mittragen.
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