Meta-Aktien fielen am Dienstag um 1,18 Prozent auf 570,50 Euro. Der Auslöser kam nicht vom Unternehmen selbst, sondern von der Wall Street: Morgan Stanley hat seine Prognose für Metas Investitionsausgaben in KI-Infrastruktur kräftig nach oben korrigiert. Auf Wochensicht steht die Aktie trotz des Rücksetzers noch 5,80 Prozent im Plus, auf Monatssicht sogar 11,47 Prozent.
Morgan Stanley erhöht Kapex-Schätzung um 29 Prozent
Analyst Brian Nowak rechnet für Meta nun mit 225 Milliarden Dollar Investitionsausgaben im Jahr 2027. Das liegt 29 Prozent über seiner bisherigen Schätzung. Für 2028 erwartet er sogar 250 Milliarden Dollar. Auch bei Amazon hob Nowak seine konzernweite Kapex-Prognose an.
Der Analyst nennt konkrete Gründe für den Kostenschub. Speicherchips werden teurer. Auch der Bau sogenannter Powered Shells – Rechenzentrumsgebäude mit Grundausstattung, die Mieter erst noch selbst ausbauen müssen – verteuert sich spürbar.
Zwei weitere Faktoren treiben die Kosten zusätzlich: Widerstand in Kommunen gegen neue Rechenzentren und wachsende politische Unsicherheit. Nowak zufolge dauert ein Rechenzentrumsprojekt inzwischen bis zu drei Jahre von Planung bis Fertigstellung.
Trotz der massiv höheren Ausgabenprognose bleibt Morgan Stanley bei seiner positiven Einschätzung. Nowak bestätigt sein Kaufrating und setzt das Kursziel bei 775 Dollar an – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 16 Prozent. UBS sieht das vorsichtiger: Die Bank senkte ihr Kursziel in dieser Woche von 865 auf 766 Dollar, hält aber ebenfalls an der Kaufempfehlung fest.
Die Billionen-Dollar-Wand der Branche
Die Korrektur bei Meta reiht sich in einen branchenweiten Trend ein. Morgan Stanley rechnet damit, dass fünf große Tech-Konzerne – darunter Alphabets Google, Meta und Amazon – bis 2028 zusammen zwischen 1,2 und 1,4 Billionen Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Als Grund nennt die Bank einen um 20 Prozent steigenden Kostenaufwand pro Gigawatt Rechenleistung.
Wie stark diese Ausgaben die Bilanzen belasten, zeigt eine andere Zahl: Vier der größten Hyperscaler dürften 2028 zusammen etwa 1,29 Billionen Dollar an Kapex stemmen – bei einem freien Cashflow von nur rund 230 Milliarden Dollar. Die Investitionen übersteigen den freien Cashflow damit um mehr als das Fünffache.
Das hat Folgen für Aktionäre. Der freie Cashflow, aus dem Aktienrückkäufe normalerweise finanziert werden, dürfte auf absehbare Zeit knapp bleiben.
Zuckerbergs Warnung vor den Zahlen
Die neuen Kapex-Schätzungen erreichen die Anleger nur wenige Wochen vor Metas nächsten Quartalszahlen. Noch immer wirkt eine interne Äußerung von CEO Mark Zuckerberg nach: Bei einem Mitarbeitertreffen räumte er laut Reuters-Berichten ein, die Entwicklung von KI-Agenten habe sich „nicht so beschleunigt wie erwartet“. Die Wetten auf die neu aufgestellte KI-Organisation seien „noch nicht aufgegangen“.
Charttechnisch zeigt sich die Aktie robust. Sie notiert 9,77 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 519,74 Euro und 4,21 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 547,45 Euro. Der RSI von 62,5 signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation. Vom 52-Wochen-Tief bei 452,10 Euro, erreicht am 27. März 2026, hat sich der Kurs deutlich erholt.
Mit den nun deutlich über die Marke von 250 Milliarden Dollar jährlich hinausgehenden Ausgabenschätzungen für 2027 und 2028 rückt Metas Quartalsbericht in den kommenden Wochen stärker in den Blick der Anleger. Im Zentrum steht die Frage, wie der Konzern diese Investitionssumme finanzieren und in Erträge ummünzen will – inklusive möglicher Neuigkeiten zu seinen noch jungen Cloud-Computing-Ambitionen.
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