Andrew Bosworth ist seit 2006 bei Meta, damals noch als etwa zehnter Ingenieur bei Facebook. Er hat den News Feed gebaut, Messenger, Groups. Zwei Jahrzehnte Konzerngeschichte stecken in diesem Mann. Und jetzt ist er derjenige, der sagt: Viele Manager brauchen wir hier eigentlich nicht mehr.
Bosworth macht keine Witze
In einem internen Memo hat Bosworth seinen Mitarbeitern unmissverständlich klargemacht, wohin die Reise geht. „Unsere Rolle ist es, KI-Agenten zu steuern, zu prüfen und zu verbessern“, schrieb er. Aufgaben, die früher Stunden dauerten, erledigten KI-Systeme schon jetzt in Minuten. Bald, so Bosworth, müsse der Mensch bei manchen Aufgaben gar nicht mehr im Prozess stecken. Wer fragte, ob man bestimmte Initiativen umgehen könne, bekam keine Flexibilität und keine Entschuldigung. Wer sich wegen Datenschutz bei der Mitarbeiterverfolgung sorgte, bekam den Rat, keine private E-Mail auf Firmengeräten zu nutzen. Das ist kein sanftes Change-Management, das ist Umbau mit der Brechstange.
8.000 raus, 7.000 rein, 135 Milliarden drauf
Parallel dazu hat Meta am Mittwoch mit den angekündigten Massenentlassungen begonnen. Rund 8.000 Stellen werden gestrichen, das entspricht gut 10 Prozent der Belegschaft, dazu schließt das Unternehmen 6.000 offene Positionen. Gleichzeitig werden 7.000 Mitarbeiter in KI-fokussierte Positionen umgeschichtet. CEO Mark Zuckerberg ließ intern ausrichten, er rechne dieses Jahr mit keinen weiteren konzernweiten Kürzungen.
Die Rechnung dahinter ist simpel, zumindest auf dem Papier: Die Einsparungen sollen die massiven KI-Investitionen gegenfinanzieren. Für 2026 plant Meta rund 135 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben, getrieben fast ausschließlich durch KI-Infrastruktur.
Meta Platforms Aktie Chart
Morgan Stanley bleibt gelassen
Brian Nowak von Morgan Stanley hat die Zahlen durchgerechnet. Die Entlassungen kosten einmalig rund 800 Millionen Dollar, bringen aber 2 Milliarden Dollar Einsparungen 2026 und 3,5 Milliarden 2027. Da sich Einsparungen und Investitionen weitgehend aufheben, blieb Nowak bei seiner Gewinnschätzung für 2027 und bekräftigte Overweight mit Kursziel 775 Dollar. Seine These: Meta baut skalierbare KI-Produkte, die Engagement und Umsatz dauerhaft steigern. Ob das aufgeht, ist die Frage, die der Markt gerade noch nicht beantworten will.
Die Aktie hinkt hinterher
Die Meta-Aktie stieg am Montag rund 0,5 Prozent auf 610,26 Dollar, was angesichts der Nachrichtenlage eher verhalten wirkt. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie gut 7,5 Prozent im Minus. Alphabet hat im selben Zeitraum 24 Prozent zugelegt, Amazon immerhin 12 Prozent. Der Markt zweifelt eben noch, ob die 135 Milliarden irgendwann zurückfließen, oder ob Meta gerade sehr teuer in seine eigene Transformation investiert. Bosworth würde das wohl als Frage der Geduld abtun. Und dann weiterbauen.
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