Während sich die Aktionäre von Meta heute zur Hauptversammlung treffen, sorgt ein anderes Thema für mehr Gesprächsstoff: ein neuer Modus in den Smart Glasses des Konzerns, der die Umgebung dauerhaft aufzeichnet — ohne dass Umstehende davon erfahren. Parallel dazu bringt Meta ein neues KI-Werbetool an den Start, das die Kernbotschaft der Investoren stützen soll: Künstliche Intelligenz treibt das Geschäft an.
Muse Image soll Werbekunden binden
Meta hat sein erstes eigenes Bildgenerierungsmodell namens Muse Image vorgestellt. Ursprünglich unter dem Codenamen Mango entwickelt, stammt es aus den Meta Superintelligence Labs unter Leitung von Alexandr Wang. Das Modell wird in den kommenden Wochen in das Werbetool Advantage+ integriert und soll Werbetreibenden helfen, automatisiert markenkonforme Bildvarianten zu erzeugen.
Mehr als acht Millionen Werbetreibende nutzen bereits mindestens eines von Metas generativen KI-Tools für Werbekreation. Intern verglichene Benchmarks zeigen Muse Image hinter dem GPT Image 2 von OpenAI, aber vor Googles Nano Banana 2 bei Bearbeitungsaufgaben. Das Modell soll außerdem eine Raum-Umgestaltungsfunktion in der Meta-AI-Shopping-App antreiben und schrittweise auch auf Facebook, Messenger sowie in weiteren Bereichen von Instagram und WhatsApp verfügbar werden.
Privatsphäre-Debatte um Smart Glasses
Kritischer fällt die Reaktion auf den neuen „Super Sensing“-Modus der Smart Glasses aus. Die Funktion soll die Umgebung fortlaufend erfassen, ohne Personen in der Nähe darüber zu informieren. Der Vorstoß fügt sich in Metas Hardware-Strategie ein, mit der der Konzern über eine günstige Glasses-Variante ab 299 Dollar auch preissensible Käufer erreichen will — Analysten sehen darin sowohl eine Chance auf Marktanteile als auch ein Risiko, sollte die Konkurrenz von Snap mit höherwertigen Modellen die Wahrnehmung der Kunden prägen.
Analysten bleiben trotz hoher Ausgaben optimistisch
Die Kursziele der großen Häuser liegen zwischen 800 und 910 Dollar — Jefferies sieht mit „Buy“ das obere Ende, KeyBanc und Barclays bewerten die Aktie mit „Overweight“ etwas zurückhaltender. Grundlage des Optimismus ist die Werbedynamik: Das Anzeigengeschäft wuchs im ersten Quartal 2026 um mehr als 30 Prozent, während die KI-Infrastruktur laut Analystenschätzungen zwischen 2025 und 2027 mehr als 90 Milliarden Dollar an zusätzlichem Umsatz beisteuern soll.
Als weiterer Wachstumshebel gilt WhatsApp. Die Plattform soll ihre jährliche Umsatzbasis von aktuell neun Milliarden Dollar bis zum Geschäftsjahr 2029 auf 36 Milliarden Dollar vervierfachen — getragen von Business-Nachrichten und Werbeformaten, die den Nutzerkomfort erhalten sollen.
Für die Hauptversammlung am Nachmittag deutscher Zeit dürfte weniger die Tagesordnung im Mittelpunkt stehen als die Frage, wie Zuckerberg die hohen KI-Investitionen und die Kritik an der Datenschutzpraxis der Smart Glasses vor den Aktionären einordnet.
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