Sieben Prozent Plus an einem einzigen Handelstag – die Ankündigung des KI-Assistenten Muse hat der Meta-Aktie einen kräftigen Schub gegeben. Mit fast 658 US-Dollar erreichte das Papier ein Zweimonatshoch. Nun rücken die Analysten in den Vordergrund, und ihr Bild fällt gespalten aus.
Neue Erlösquelle jenseits der Werbung
Muse soll mehr können als klassische Chatbots: Der Assistent bucht Reisen, füllt Formulare aus, kauft online ein und verschickt E-Mails – ohne dass Nutzer jeden Schritt einzeln anstoßen müssen. Für sensible Vorgänge wie Zahlungen holt das System vorab die Zustimmung ein. Technisch läuft Muse auf dem Modell Muse Spark in einer isolierten Umgebung namens Muse Secure VM, in der Meta zufolge Daten und Zugangsinformationen getrennt gespeichert werden.
Gestartet ist der Dienst zunächst in den USA über eine eigene App, im Web und via WhatsApp. Neben einer kostenlosen Basisversion bietet Meta kostenpflichtige Abonnements für 20 und 100 Dollar im Monat an. Das ist der eigentliche Kern der Story: Erstmals erhält die milliardenschwere KI-Offensive des Konzerns eine direkte Erlösquelle jenseits des Anzeigengeschäfts.
Mizuho euphorisch, Morgan Stanley zurückhaltend
Die Reaktionen am Markt zeigen ein deutliches Gefälle. Ein Analyst von Mizuho Securities sprach von einem bedeutenden Produktzyklus, der im Aktienkurs noch nicht eingepreist sei – Investoren wollten endlich eine Rendite für Metas KI-Investitionen sehen, und Muse liefere dafür einen wesentlichen Schritt.
Morgan Stanley bleibt vorsichtiger. Für eine höhere Bewertung brauche es erst breite Nutzung und tatsächlich monetisierbares Verhalten, hieß es von der Bank. Die Reichweite von Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp könnte Muse zwar zu einem besonders persönlichen Assistenten machen – ob das aber tatsächlich zu zahlenden Kunden führt, bleibt nach Einschätzung der Bank offen.
Der Vorstoß setzt Meta zudem in direkte Konkurrenz zu OpenAIs ChatGPT und Googles Gemini. Die Aktie von Alphabet gab am selben Handelstag um mehr als 2,5 Prozent nach – ein Indiz dafür, wie ernst der Markt die neue Konkurrenzsituation nimmt. Vom Muse-Effekt profitierten daneben auch Chip- und Speicherwerte wie Marvell Technology, AMD, SanDisk und Micron, die als Zulieferer der KI-Infrastruktur gelten.
Wie stark sich der Rückenwind fortsetzt, hängt nun an harten Zahlen: Meta muss zeigen, wie viele Nutzer tatsächlich zu den kostenpflichtigen Muse-Stufen wechseln und wie tief der Assistent in Facebook, Instagram und WhatsApp integriert wird.
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