Der Technologiekonzern Meta hat sich am heutigen Mittwoch mit einer Vielzahl von US-Bundesstaaten auf einen umfassenden Vergleich geeinigt, um langwierige Rechtsstreitigkeiten um die Sicherheit Minderjähriger auf seinen Plattformen Facebook und Instagram beizulegen.
Die Vereinbarung sieht Zahlungen in Höhe von bis zu 18 Milliarden US-Dollar sowie tiefgreifende Änderungen an den Produktfunktionen vor. An der Börse löste die Nachricht Erleichterung aus: Das Papier notiert aktuell bei 494,70 € und verzeichnet damit eine Tagesveränderung von 1,3 %.
Milliardenzahlungen und operative Auflagen
Der Vergleich beendet einen der größten Prozesse in der Geschichte des Unternehmens. Medienberichten zufolge beteiligen sich bis zu 47 US-Bundesstaaten sowie der District of Columbia an der Einigung. Die Gesamtsumme von bis zu 18 Milliarden US-Dollar soll über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgezahlt werden. Davon sind etwa 11,66 Milliarden US-Dollar garantiert, während weitere 5,3 Milliarden US-Dollar an Bedingungen geknüpft sind. Diese Zusatzsumme wird offenbar nur fällig, wenn auch Wettbewerber wie TikTok oder YouTube ähnliche Sicherheitsmaßnahmen implementieren.
Die finanziellen Folgen für einzelne Staaten sind erheblich. So soll Kalifornien zwischen 1,5 und 2,1 Milliarden US-Dollar erhalten. Massachusetts werden rund 366 Millionen US-Dollar zugesprochen, während für New Jersey 525 Millionen US-Dollar und für Virginia 353 Millionen US-Dollar vorgesehen sind. Trotz der hohen Summen beinhaltet die Einigung kein offizielles Schuldeingeständnis seitens Meta.
Neben den finanziellen Entschädigungen muss der Konzern weitreichende technische Anpassungen vornehmen. Für Nutzer unter 18 Jahren wird ein standardmäßiges Zeitlimit von zwei Stunden pro Tag eingeführt.
Zudem ist eine nächtliche Sperre zwischen Mitternacht und 6:00 Uhr morgens sowie eine Stummschaltung von Benachrichtigungen während der Schulzeit zwischen 8:00 Uhr und 15:00 Uhr vorgesehen. Auch Funktionen wie Autoplay sollen deaktiviert und die Sichtbarkeit von „Like“-Zählern eingeschränkt werden.
Prozess-Druck und Mosseris Geständnis
Die Einigung erfolgte inmitten eines laufenden Prozesses in Kalifornien, der am Freitag begonnen hatte. Der Druck auf das Unternehmen war zuletzt massiv gestiegen, da im Falle einer vollständigen Niederlage theoretische Strafzahlungen von bis zu 1,4 Billionen US-Dollar im Raum standen. Die Generalstaatsanwälte von 29 Bundesstaaten hatten Meta vorgeworfen, die Plattformen Instagram und Facebook bewusst süchtig machend gestaltet und die damit verbundenen Risiken für die psychische Gesundheit Jugendlicher verheimlicht zu haben.
Am gestrigen Dienstag sorgte die Aussage von Instagram-Chef Adam Mosseri für Aufsehen. Er räumte ein, dass Sicherheitsfunktionen wie „Take a Break“ vor ihrer verbindlichen Einführung im Jahr 2024 nur von einer verschwindend geringen Anzahl von Teenagern genutzt wurden.
Die Akzeptanzrate lag laut Prozessunterlagen zeitweise bei lediglich 1,8 %. Ein ehemaliger Datenwissenschaftler des Unternehmens, George Volichenko, belastete die Konzernführung zudem mit der Aussage, dass man automatische Schutzmechanismen aus Sorge um das Nutzerengagement abgelehnt habe.
Analysten sehen Ende der Unsicherheit
Trotz der Belastung durch die Milliardenzahlungen bewerten Marktbeobachter den Vergleich als positiven Wendepunkt, da er ein massives Rechtsrisiko aus der Bewertung entfernt. Die Analysten von Evercore ISI bekräftigten ihre Einstufung „Outperform“ und hoben das Kursziel für die Aktie von 820 auf 860 US-Dollar an. Analyst Mark Mahaney betonte, dass der Abschluss des Verfahrens den Weg für den Fokus auf künftige Wachstumstreiber freimache.
Parallel zu den rechtlichen Entwicklungen treibt Meta seine KI-Offensive voran. In Kürze soll die neue Plattform „Hatch“ starten, für die Abo-Modelle von bis zu rund 200 US-Dollar pro Monat im Gespräch sind. Zudem wird für Oktober die Veröffentlichung des eigenen KI-Modells „Watermelon“ erwartet.
Dennoch bleibt die Aktie im längerfristigen Trend unter Druck und notiert aktuell etwa 7,6 % unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Für das dritte Quartal 2026 plant das Unternehmen bereits mit Rückstellungen für Rechtskosten in Höhe von rund 10 Milliarden US-Dollar.
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