Es gibt Übernahmen, die der Markt sofort versteht. Die Merck-Aktie legte am Donnerstag bis zum Börsenschluss gut 5 Prozent zu, Bio-Techne schnellte im US-Handel um rund ein Fünftel hoch. Selten nicken beide Seiten eines Deals so unisono.
Fast 10 Milliarden Euro auf einen Schlag
Die Merck KGaA aus Darmstadt übernimmt Bio-Techne, einen Anbieter von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien mit Sitz in Minneapolis, für 73 US-Dollar je Aktie in bar. Das entspricht einem Unternehmenswert von rund 11,3 Milliarden Dollar, also knapp 10 Milliarden Euro. Der Aufschlag auf den volumengewichteten Monatsdurchschnitt beträgt 36 Prozent. Finanziert wird der Deal durch Barmittel und neue Kredite, ein Investment-Grade-Rating will Merck dabei erhalten.
Es ist die größte Übernahme des Konzerns seit dem Kauf des Laborausrüsters Sigma-Aldrich im Jahr 2015 für 17 Milliarden Dollar. Zuletzt hatte Merck im vergangenen Sommer den US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics für rund 3,4 Milliarden Dollar geschluckt. Bio-Techne ist also eine andere Größenordnung.
Der neue Chef, sein erster großer Wurf
Kai Beckmann, seit Anfang Mai an der Konzernspitze, nennt die Übernahme einen „Meilenstein“. Bio-Techne passe „hervorragend“ zu Merck und stehe in direktem Einklang mit der Strategie, integrierte Lösungen für die gesamte Life-Science-Wertschöpfungskette anzubieten. Auf die Frage, ob die Vorarbeiten noch unter seiner Vorgängerin Belen Garijo gemacht wurden, antwortete Beckmann nur: „Wir kennen das Unternehmen seit längerem.“ Diplomatisch.
Bio-Techne erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Dollar, beschäftigt rund 3000 Menschen und bringt mehr als 6000 Proteine sowie 5000 Antikörper ins Portfolio. Spartenchef Jean-Charles Wirth sieht die Stärken vor allem in Zell- und Gentherapien sowie Präzisionsdiagnostik.
Die Rechnung, die Merck aufmacht
Finanzvorständin Helene von Roeder erwartet mittelfristig ein Wachstum von Bio-Techne „im hohen einstelligen Prozentbereich“. Jährliche Kostensynergien von rund 140 Millionen Euro sollen bis zum dritten Jahr nach Abschluss erreicht werden, vor allem durch engere Zusammenarbeit und die globale Vertriebsplattform der Darmstädter. Die operative Marge soll unmittelbar nach Abschluss steigen, der bereinigte Gewinn je Aktie spätestens ab Jahr drei.
Hintergrund des Deals ist auch die jüngste Schwäche im Life-Science-Segment. Das größte Standbein von Merck hatte nach dem Pandemie-Boom unter einem Nachfrageknick gelitten. Mit Bio-Techne kauft sich Merck nun Wachstum, das organisch wohl länger gedauert hätte. Der Markt hat das verstanden. 5 Prozent Kursplus sagen manchmal mehr als jede Analystennotiz.
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