Mercedes-Benz Aktie: Sindelfingen macht Lärm

Symbolbild, KI-generiert

Bei Mercedes-Benz startet die Tarifrunde mit Protesten. Forderungen, Sparprogramme und mögliche Warnstreiks prägen den Konflikt in der Autobranche.

Auf einen Blick:
  • Rund 20.000 Beschäftigte demonstrieren
  • IG Metall beschließt Forderungen am Dienstag
  • Erste Verhandlungen starten am 7. Oktober
  • Warnstreiks ab Ende Oktober möglich

Trommeln, Trillerpfeifen, Fahnen: Vor der Mercedes-Zentrale in Sindelfingen hat es an diesem Montag ordentlich gerappelt. Nach Angaben von Unternehmen und IG Metall beteiligten sich rund 20.000 Beschäftigte an den Protesten – Auftakt einer Tarifrunde, die in den kommenden Wochen für Unruhe in der gesamten Autobranche sorgen dürfte.

Die Töne aus der Belegschaft waren deutlich. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali warf dem Vorstand vor, jeglichen Verstand für die Beschäftigten verloren zu haben, und drohte mit Widerstand, sollte das Management versuchen, die Belegschaft „über den Tisch zu ziehen“.

IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch formulierte es so: Man lasse sich nicht für dumm verkaufen. Im Werk Sindelfingen, wo unter anderem die S-Klasse vom Band läuft, arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 30.000 Menschen.

Tarifrunde als nächster Prüfstein

Die Proteste sind Teil eines bundesweiten Aktionstags der IG Metall, die branchenübergreifend rund 175.000 Beschäftigte mobilisiert hat. Für Baden-Württemberg will die Gewerkschaft ihre konkreten Forderungen an diesem Dienstag beschließen, die erste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern ist für den 7. Oktober in Ludwigsburg terminiert. Zum 31. Oktober laufen die aktuellen Entgelttarifverträge aus – danach endet die Friedenspflicht, und Warnstreiks werden möglich.

Der Konflikt fällt in eine Phase, in der die Branche ohnehin unter Druck steht. Schwächere Geschäfte in China, US-Zölle und eine langsamer als erwartet anlaufende E-Mobilität haben bei den großen deutschen Autobauern zuletzt spürbare Gewinneinbrüche verursacht.

Entsprechend laufen bei Mercedes-Benz wie auch bei Wettbewerbern und Zulieferern bereits Sparprogramme mit Stellenabbau – genau das Thema, das die Beschäftigten am Montag auf die Straße trieb.

An der Börse blieb die Reaktion bislang aus. Die Mercedes-Benz-Aktie bewegte sich im Umfeld der Proteste kaum und pendelte um die 44-Euro-Marke. Der eigentliche Testlauf für Anleger dürfte erst mit den Tarifverhandlungen ab Anfang Oktober beginnen – dann zeigt sich, wie weit Gewerkschaft und Arbeitgeberseite bei Arbeitszeit und Beschäftigungssicherung tatsächlich voneinander entfernt sind.

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