Diese Kontrastwirkung sorgte am 14. Juli für einen Kurssprung von 2,8 Prozent und beschert der Aktie auch am Folgetag Auftrieb. Die Papiere notieren aktuell bei 46,30 Euro, ein Plus von 2,65 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss von 45,10 Euro. Auf Wochensicht steht damit ein Zugewinn von 4,04 Prozent zu Buche, auch wenn die Aktie binnen 30 Tagen noch immer 6,17 Prozent verloren hat und seit Jahresbeginn mit 24,90 Prozent im Minus liegt.
Bestätigte Prognose setzt Kontrastpunkt zu BMW
Mercedes-Benz bekräftigte am 14. Juli seine Jahresprognose 2026 für das Pkw-Segment: Die bereinigte Umsatzrendite soll zwischen 3 und 5 Prozent liegen. Angesichts der massiven Prognosesenkungen bei BMW wirkte diese Konstanz wie ein Signal der Stabilität und wurde vom Markt entsprechend goutiert. Im Pre-Close-Call konkretisierte das Management zudem die Erwartungen für das zweite Quartal: Die Van-Sparte soll mit ihrer bereinigten Umsatzrendite das obere Ende der Prognosespanne erreichen. Der industrielle Free Cash Flow bleibe positiv, liege aber unter dem Niveau des ersten Quartals 2026.
Die Auslieferungszahlen für das zweite Quartal, bereits am 8. Juli veröffentlicht, zeigen die Herausforderungen des Konzerns deutlich: Weltweit sanken die Verkäufe von Pkw und Vans um 6 Prozent auf 511.900 Einheiten. Hauptursache war ein Einbruch von 30 Prozent in China. Gegenläufig entwickelte sich das Geschäft mit vollelektrischen Fahrzeugen: Der BEV-Absatz kletterte um 51 Prozent auf 52.900 Einheiten.
Analysten uneinig über Kursziel
Die Reaktionen der Analysten auf den Pre-Close-Call fielen unterschiedlich aus. Philippe Houchois von Jefferies bekräftigte am 14. Juli sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 52,00 Euro und bezeichnete Mercedes-Benz als defensivsten Wert unter den deutschen Automobilherstellern. Stephen Reitman von Bernstein Research beließ es bei „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 61,00 Euro. Tom Narayan von RBC bestätigte sein Rating „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 56,00 Euro und rechnet mit einer Profitabilität oberhalb des Marktkonsenses.
Die Aktie bewegt sich derzeit deutlich unterhalb aller drei Kursziele. Mit 46,30 Euro liegt sie 3,02 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 47,74 Euro und 14,98 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 54,46 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro, erreicht am 15. Dezember 2025, beträgt der Abstand 25,68 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro vom 29. Juni 2026 hat sich der Kurs hingegen um 8,58 Prozent erholt. Der RSI von 52,8 signalisiert derzeit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 30,84 Prozent auf anhaltend hohe Schwankungsbreite hindeutet.
Personalwechsel und Finanzierungsschritt
Parallel zu den operativen Themen kündigte Mercedes-Benz einen Wechsel in der Führungsebene an: Group-CIO Katrin Lehmann verlässt den Konzern zum 1. September 2026 auf eigenen Wunsch. Die IT-Verantwortung war bereits im Zuge einer Umstrukturierung in das Vorstandsressort „People & Enterprise Tech“ von Britta Seeger überführt worden.
Auf der Finanzierungsseite vollzog die Mercedes-Benz International Finance B.V. am 15. Juli den finalen Emittentenwechsel für vier Anleiheserien im Gesamtwert von 3,5 Milliarden Euro. Die Tranchen umfassen 1,5 Milliarden Euro mit Fälligkeit 2029 sowie zwei Serien über jeweils 750 Millionen Euro mit Fälligkeit 2030 und eine Serie über 500 Millionen Euro mit Fälligkeit 2034. Die Mercedes-Benz Group AG bleibt unwiderrufliche Garantin für sämtliche Verpflichtungen aus diesen Anleihen.
Abseits des Kerngeschäfts vermeldete das Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team Anfang Juli eine mehrjährige Technologiepartnerschaft mit Vercel zur Optimierung digitaler Fan-Erlebnisse, die ab dem Großen Preis von Großbritannien greift.
Blick auf den Zwischenbericht
Anleger richten den Blick nun auf den 28. Juli 2026. An diesem Tag will Mercedes-Benz den vollständigen Zwischenbericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 vorlegen. Dann dürfte sich zeigen, ob die im Pre-Close-Call skizzierten Erwartungen zu Van-Marge und Free Cash Flow tatsächlich eintreffen und wie belastbar die bestätigte Jahresprognose angesichts der schwachen China-Zahlen tatsächlich ist.
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