Bei Mercedes-Benz klaffen zwei Realitäten auseinander. Der Konzerngewinn zieht an, Kostenprogramme greifen, das Finanzdienstleistungsgeschäft läuft rund. Ausgerechnet dort, wo es am meisten zählt — im Pkw-Geschäft — verdient der Konzern deutlich weniger als noch vor wenigen Jahren.
Die Halbjahreszahlen liefern den Beleg dafür. Der Umsatz sank um vier Prozent auf 63,663 Milliarden Euro, das EBIT gab ebenfalls nach. Der freie Cashflow des Industriegeschäfts brach um 30 Prozent auf 2,959 Milliarden Euro ein — ein Rückgang, der zeigt, wie stark der Umbau zur Elektromobilität und der Einbruch im chinesischen Premiummarkt auf die operative Substanz durchschlagen.
China bleibt der größte Belastungsfaktor
Nirgends wird das Problem klarer als in China. Dort sank der Absatz von Mercedes-Benz Cars im ersten Halbjahr um 28 Prozent auf 210.245 Fahrzeuge. Der einstige Wachstumsmarkt hat sich zur größten Schwachstelle im Geschäftsmodell entwickelt — chinesische Hersteller drängen mit eigenen Premiummarken in genau das Segment, in dem Mercedes traditionell seine Margen verdient hat.
An der Börse hinterlässt das Spuren. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 25 Prozent verloren, Ende Juni markierte sie mit 42,63 Euro ein neues Tief. Zuletzt notierte das Papier bei 45,03 Euro — eine leichte Erholung, die an der grundsätzlichen Schieflage aber wenig ändert.
Gegenmaßnahmen mit Substanz, aber ohne Sofortwirkung
Der Konzern reagiert mit einem Bündel an Maßnahmen. Im Performance-Segment treibt Mercedes die vertikale Integration um AMG voran, die neue Van-Architektur soll künftig mit dem selbst entwickelten Betriebssystem MB.OS ausgestattet werden.
Parallel läuft seit Juni eine Produktivitätsoffensive für die deutschen Standorte, die Prozesse verschlanken und mehr Arbeitsstunden ohne Lohnausgleich vorsehen soll. Ein bereits zugesagter Entgeltbestandteil, der sogenannte Transformationsbaustein, wird dafür ins Jahr 2027 verschoben.
Zusätzlich trennt sich der Konzern von Randgeschäften wie der Athlon-Gruppe und mehreren eigenen Vertriebsniederlassungen in Deutschland, um Kapital freizusetzen. Die Jahresprognose wurde entsprechend angepasst: Der Konzernumsatz soll 2026 nun leicht unter statt auf Vorjahresniveau liegen, während der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge auf 23 bis 25 Prozent steigen soll.
Ob die für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellte Margenverbesserung trägt, dürfte sich an den Quartalszahlen im Herbst zeigen. Bis dahin bleibt das Kerngeschäft der Punkt, an dem sich die Erholungsgeschichte von Mercedes-Benz entscheidet.
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