Ola Källenius sieht in Brüssels Schutzplänen für Europas Autoindustrie ein mögliches Eigentor. Der Mercedes-Chef warnte beim Berlin Global Dialogue, zusätzliche Handelsbarrieren trieben die Produktionskosten und verzerrten globale Lieferketten. Für die Aktie ist das mehr als eine politische Randnotiz, denn der Schutz wirkt auf die deutschen Hersteller sehr unterschiedlich.
Kostenrisiko durch „Made in Europe“
Källenius verwies auf den Aufbau moderner Fahrzeuge: Sie bestehen aus Tausenden Teilen, die aus aller Welt stammen. Neue Auflagen schafften zwar Widerstandsfähigkeit, verteuerten aber die Beschaffung. Statt auf Abschottung zu setzen, solle die EU mehr Handelsabkommen abschließen. Er lobte die Arbeit am Abkommen mit Südamerika und die Gespräche mit Indien.
Hintergrund sind Brüsseler Pläne, in Europa gebaute Autos zu bevorzugen. Strittig ist bereits, ob Länder wie Großbritannien oder die Türkei als europäisch gelten, wo mehrere Hersteller Werke betreiben. Für Mercedes liegt das Risiko deshalb weniger im Ziel der Regeln als in ihren Nebenwirkungen: Jede neue Herkunftsvorgabe macht ein weit verzweigtes Zuliefernetz komplizierter und teurer.
Volumenhersteller profitieren stärker
Wie ungleich Protektionismus wirkt, zeigt die geplante Begrenzung chinesischer Hybridimporte. Im ersten Jahr soll eine Obergrenze von 350.000 Fahrzeugen gelten, danach steigt sie jährlich um sechs Prozent. Erste Maßnahmen werden ab Anfang Dezember erwartet. Davon profitieren vor allem Massenhersteller wie Volkswagen, Renault und Stellantis, die im Preiskampf mit chinesischen Anbietern Luft gewinnen.
Premiumhersteller wie Mercedes und BMW haben davon weniger. Sie tragen aber das Kostenrisiko strengerer Herkunftsregeln mit. Am Tag der ersten Berichte über die EU-Pläne gaben ihre Aktien deutlich nach, bei Mercedes vor allem wegen schwacher Absatzzahlen aus China.
China bleibt die Schwachstelle
Wie schwer der Markt wiegt, zeigt das dritte Quartal. In China verkaufte die Pkw-Sparte 86.800 Fahrzeuge, 31 Prozent weniger als im Vorjahr. Weltweit sank der Pkw-Absatz um 8 Prozent auf 407.200 Einheiten. Außerhalb Chinas legte Mercedes-Benz Cars dagegen um 1 Prozent zu, zudem meldet der Konzern einen Rekord bei Elektroautos.
Gerade die breite Aufstellung über viele Märkte macht den Konzern anfällig, wenn Handelsblöcke ihre Grenzen hochziehen. Eskalationen mit Peking wären für Hersteller mit großem China-Geschäft ein zusätzliches Risiko. Die Warnung des Vorstandschefs ist damit auch ein Hinweis in eigener Sache.
Am 28. Oktober legt Mercedes-Benz den Zwischenbericht zum dritten Quartal vor. In der anschließenden Telefonkonferenz dürfte sich zeigen, ob das Management die Kosten von Zöllen und Handelsregeln konkreter beziffert.
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