Bei Mercedes-Benz brennt die Luft. Konzernchef Ola Källenius fordert mehr Arbeitszeit ohne mehr Geld. Die Belegschaft reagiert mit massiven Protesten.
Das Management plant das Ende der 35-Stunden-Woche. Angestellte sollen künftig länger arbeiten. Einen Lohnausgleich gibt es dafür nicht. Allein am Freitag gingen bundesweit 33.000 Beschäftigte gegen diese Pläne auf die Straße. Ein weiteres Streitthema ist die tarifliche Sonderzahlung. Der Konzern verschiebt den Bonus für zehntausende Mitarbeiter auf das Jahr 2027.
Schwache Zahlen treiben den Umbau
Källenius begründet den harten Kurs mit einer Absatzkrise in China. Parallel dazu drohen neue US-Handelsbeschränkungen. Die schwache Bilanz des ersten Quartals liefert ihm Argumente. Der Umsatz fiel um knapp fünf Prozent auf 31,6 Milliarden Euro. Der operative Gewinn brach sogar um 16,8 Prozent ein. Die Pkw-Sparte erreicht aktuell nur eine magere Rendite von 4,1 Prozent.
Stellenabbau in den USA
Die Kürzungen treffen auch internationale Standorte. Am 6. Juli streicht das US-Forschungszentrum in Kalifornien 72 Stellen. Diese Schritte passen in ein düsteres Branchenbild. Laut einer Studie fielen in der deutschen Autoindustrie im vergangenen Jahr rund 50.000 Arbeitsplätze weg. Kein Wunder. Der Betriebsrat des Zulieferers Bosch ruft bereits nach einer politischen Taskforce zur Rettung der Industrie.
Charttechnik bleibt angespannt
An der Börse honorieren Investoren das harte Durchgreifen bisher kaum. Die Aktie schloss am Freitag bei 45,40 Euro zwar leicht im Plus. Seit Jahresbeginn steht aber ein massiver Verlust von über 26 Prozent auf der Anzeigetafel. Die entscheidende Unterstützung bildet nun das Jahrestief bei 42,64 Euro.
Der Konflikt zwischen Belegschaft und Vorstand steuert in der kommenden Woche auf einen Höhepunkt zu. Für den 9. Juli plant die Gewerkschaft einen massiven Autokorso in Stuttgart. Dieser Protest wird den Druck auf das Management vor Ort weiter erhöhen. Ohne eine schnelle Einigung drohen dem Konzern bald erste Produktionsausfälle am Stammsitz.
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