Der Stuttgarter Automobilkonzern Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2026 einen Gewinnanstieg verzeichnet, obwohl der Absatz und der Umsatz rückläufig waren. Während das Unternehmen massiv von seinen laufenden Sparprogrammen profitierte, trübte die anhaltende Schwäche auf dem wichtigen chinesischen Markt den Ausblick für das Gesamtjahr.
Sparmaßnahmen stützen das operative Ergebnis
Im zweiten Quartal sank der Konzernumsatz um 3,3 Prozent auf 32,06 Milliarden Euro. Trotz dieses Rückgangs und eines um fast 8 Prozent gesunkenen Fahrzeugabsatzes in der Pkw-Sparte konnte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) deutlich zulegen. Es stieg um mehr als ein Fünftel auf 1,55 Milliarden Euro.
Unter dem Strich erwirtschaftete Mercedes-Benz einen Nettogewinn von 1,09 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dieser Ergebnissprung ist maßgeblich auf eine strikte Kostendisziplin zurückzuführen. So konnten die Verwaltungskosten um 14 Prozent und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 12 Prozent gesenkt werden. Die bereinigte Umsatzrendite in der Pkw-Sparte lag mit 4,0 Prozent leicht über den Erwartungen der Analysten.
Schwäche im China-Geschäft belastet Ausblick
Das Sorgenkind des Konzerns bleibt der chinesische Markt, wo Mercedes-Benz im zweiten Quartal einen Absatzrückgang von 30 Prozent hinnehmen musste. Laut Berichten von Nikkei Asia belasten Wertberichtigungen auf chinesische Joint Ventures in Höhe von 704 Millionen Euro die Bilanz. Im ersten Halbjahr summierten sich die Rückgänge in China auf insgesamt 28 Prozent.
Im Gegensatz dazu entwickelten sich andere Regionen positiv. In den USA stiegen die Auslieferungen im Berichtsquartal um 10 Prozent, während der Absatz in Europa um 4 Prozent zulegte. Besonders dynamisch zeigte sich das Segment der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV), dessen Absatz weltweit um 51 Prozent auf 52.852 Einheiten kletterte. In Europa betrug das Plus bei den Stromern sogar 87 Prozent.
Fokus auf Effizienz und Aktienrückkäufe
Angesichts der Herausforderungen in China passte der Vorstand seine Prognose für das Gesamtjahr an. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Pkw-Absatz und einem Konzernumsatz, die leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, forderte CEO Ola Källenius eine Steigerung der Produktivität und brachte längere Arbeitszeiten ins Gespräch. Ein wichtiger Baustein der Strategie ist der Ausbau des Werks im ungarischen Kecskemét, wo die Produktionskosten laut Medienberichten rund 70 Prozent niedriger ausfallen als an deutschen Standorten.
Für die Aktionäre kündigte der Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von einer Milliarde Euro an, das bis zur Hauptversammlung 2027 umgesetzt werden soll. An der Börse notiert die Aktie derzeit bei 46,70 Euro. Trotz der jüngsten Stabilisierung verzeichnet das Papier seit Jahresbeginn ein Minus von 22,55 Prozent. Der Titel liegt aktuell knapp 9,5 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.
Analysten bewerten die vorgelegten Zahlen überwiegend als Signal der Stabilität. Rella Suskin sprach von einer klaren und zuversichtlichen Botschaft des Managements, die zeige, dass die Kostensenkungen greifen und das Unternehmen trotz des schwierigen Marktumfelds in China auf Kurs bleibe. Neben dem Pkw-Geschäft stützten zudem die Transporter-Sparte mit einer Rendite von 10,2 Prozent und ein starkes Ergebnis bei den Finanzdienstleistungen die Konzernbilanz.
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