Die Stuttgarter Autobauer schalten im Software-Rennen einen Gang höher. Mercedes-Benz bringt seinen neuen Stadt-Assistenten auf die Straße. Ende 2026 startet das System in Stuttgart und München. Anfang 2027 folgt der bundesweite Rollout. Das Ziel: eine skalierbare Lösung für den komplexen Stadtverkehr.
Abkehr vom autonomen Traum
Der „Drive Assist Pro“ lenkt über mehrere Spuren. Er weicht Fußgängern aus und hält an roten Ampeln. Das System ist jedoch kein fahrerloses Wunderwerk. Es handelt sich um ein teilautonomes Level-2++-System. Der Fahrer behält die Hände am Lenkrad und trägt die volle Verantwortung.
Dieses Detail ist strategisch hochrelevant. Die Branche rückt zunehmend von hochkomplexen Systemen der Stufe 3 ab. Konkurrent BMW hat sein entsprechendes Projekt im Frühjahr beerdigt. Die Nachfrage war schlicht zu gering. Mercedes-Benz pausiert seinen eigenen Drive Pilot ebenfalls. Stattdessen fokussiert sich der Konzern auf alltagstaugliche Level-2-Angebote.
Schwache Zahlen, starker Rückkauf
Mercedes-Benz treibt die Software in einer wirtschaftlich schwierigen Phase voran. Im ersten Quartal sank der Umsatz auf 31,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis brach auf 1,9 Milliarden Euro ein. Das Management erwartet für das laufende Jahr dennoch eine stabile Umsatzrendite.
An der Börse hinterlässt das raue Umfeld Spuren. Seit Jahresbeginn verlor die Mercedes-Aktie rund 19 Prozent an Wert. Am Freitag schloss das Papier bei 49,80 Euro. Ein massives Aktienrückkaufprogramm stützt den Kurs. Der Konzern hat bereits eigene Anteile für 1,62 Milliarden Euro erworben.
Kurzfristig zeigt sich die Aktie stark überkauft. Der RSI-Indikator notiert bei über 81 Punkten. Der Kurs bewegt sich knapp unter der 50-Tage-Linie.
Für die kommende Handelswoche liefert das Assistenzsystem keinen direkten Gewinnbeitrag. Es markiert aber einen wichtigen strategischen Schwenk. Der Erfolg entscheidet sich an der Skalierbarkeit. Mercedes-Benz muss nun beweisen, dass die Software im urbanen Alltag fehlerfrei funktioniert. Die ersten Nutzerdaten aus Stuttgart und München werden Ende 2026 den Maßstab setzen.
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