Bei Mercedes-Benz gehen die Einschätzungen zum Kurspotenzial deutlich auseinander. Am Donnerstag senkten sowohl Deutsche Bank Research als auch UBS ihre Kursziele. Ihre Anlageurteile blieben jedoch unterschiedlich: Einer Kaufempfehlung steht eine neutrale Bewertung gegenüber. Die gemeinsame Richtung der Zielkorrekturen verdeckt damit einen erheblichen Unterschied bei der Bewertung der Aktie.
Gleiche Zielrichtung, unterschiedliche Anlageurteile
Deutsche Bank Research reduzierte das Kursziel am Donnerstag von 70 auf 65 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Das niedrigere Ziel bedeutet damit keinen Wechsel zu einer vorsichtigeren Empfehlungskategorie.
UBS zog ebenfalls Konsequenzen für die Bewertung. Anders als Deutsche Bank Research verband das Haus die Zielanpassung aber nicht mit einer Kaufempfehlung.
Das UBS-Kursziel sank am Donnerstag von 45,00 auf 42,50 Euro. Die Einstufung blieb „Neutral“. Die beiden Analystenaktionen liefern somit kein einheitliches Signal für einen Einstieg: Beide Häuser korrigierten ihre Zielmarken nach unten, unterscheiden sich aber weiterhin im Anlageurteil.
Für Anleger ist diese Trennung wichtig. Eine Kurszielsenkung und eine Verkaufsempfehlung sind nicht gleichbedeutend. Ebenso wenig hebt eine bestätigte Kaufempfehlung die Abwärtskorrektur der Bewertung auf.
Quartalszahlen und niedrigere Ergebniserwartungen
Den wirtschaftlichen Hintergrund bilden das schwächere China-Geschäft und höhere Kosten. Mercedes-Benz senkte deshalb am Dienstag seine Erwartungen für das Gesamtjahr. Die Belastungen betreffen damit nicht nur die Bewertung durch Analysten, sondern auch die Ergebnisplanung des Konzerns.
Für Mercedes-Benz Cars prognostiziert das Unternehmen eine bereinigte Umsatzrendite von 2–3 % statt 3–5 %. Das Konzern-EBIT soll auf Vorjahresniveau liegen. Zuvor hatte Mercedes-Benz einen deutlichen Anstieg erwartet.
Die am Mittwoch veröffentlichten Quartalszahlen ergänzen dieses Bild. Sie dokumentieren die Geschäftsentwicklung, während die angepasste Prognose die vorsichtigeren Erwartungen für das Gesamtjahr beschreibt.
Für das dritte Quartal 2026 meldete Mercedes-Benz einen Umsatz von 30,7 Milliarden Euro. Das Konzern-EBIT erreichte 1,77 Milliarden Euro, der Nettogewinn 1,52 Milliarden Euro.
Strategie und Kostenmaßnahmen als nächste Prüfsteine
Über die Ergebnisplanung hinaus richtet sich der Blick auf die angekündigten Maßnahmen. Laut Reuters will Mercedes-Benz das freiwillige Abfindungsprogramm für indirekte Funktionen in Deutschland ab Dezember wieder auflegen. Eine Zahl geplanter Stellenstreichungen nannte das Unternehmen nicht.
Vorstandschef Ola Källenius kündigte am Mittwoch außerdem ein umfassenderes Strategie-Update für das kommende Jahr an. Es soll die Ausrichtung bis 2030 und darüber hinaus behandeln. China soll dabei ein zentraler Bestandteil der langfristigen Strategie bleiben.
Damit stehen kurzfristige Kostenmaßnahmen neben einer längerfristigen strategischen Überprüfung. Die unterschiedlichen Analystenurteile machen deutlich: Über die Bewertung dieser Perspektiven besteht trotz übereinstimmend gesenkter Kursziele keine Einigkeit.
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