Der Gewinn steigt, die Aktie fällt. Bei Mercedes-Benz erklärt sich dieser Widerspruch vor allem mit einem Blick auf den Cashflow und den gesenkten Ausblick. Das Papier notiert nach den Quartalszahlen wieder nahe dem Jahrestief.
Gewinnplus dank schwachem Vorjahr
Das Konzernergebnis legte im dritten Quartal um rund 28 Prozent auf etwa 1,52 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebit) erreichte 1,77 Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartung von 1,6 Milliarden. Der Vergleich hinkt allerdings: Im Vorjahr hatten Sonderlasten für den Stellenabbau das Ergebnis gedrückt.
Der Umsatz sank um 4,5 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro. Im Pkw-Geschäft halbierte sich die bereinigte Umsatzrendite auf 2,5 Prozent, nach 4,8 Prozent im Vorjahr.
China bremst, Cashflow enttäuscht
Der Absatz der Pkw-Sparte fiel um acht Prozent auf rund 407.000 Fahrzeuge. In China brach er um 31 Prozent ein. Außerhalb des Landes wuchs er dagegen um ein Prozent, in Europa und den USA sogar etwas stärker. Elektroautos laufen gut: Der Absatz batterieelektrischer Modelle stieg um 61 Prozent.
Schwerer wiegt der freie Cashflow des Industriegeschäfts. Er lag bei nur 172 Millionen Euro, erwartet worden waren gut 400 Millionen. Ein Lageraufbau von gut zwei Milliarden Euro für anstehende Modellanläufe band Kapital. Finanzchef Harald Wilhelm rechnet für das vierte Quartal mit dem Abbau dieser Bestände, im Pkw-Geschäft aber nur mit einem Ergebnis um die Nulllinie.
Positiv fiel die Finanzdienstleistungssparte auf. Ihr bereinigtes Ebit stieg um 42 Prozent. Die Transporter-Sparte blieb mit einer Rendite von 9,4 Prozent stabil.
Ausblick gesenkt
Schon am Dienstag hatte der Konzern die Prognose angepasst. Die Pkw-Rendite soll 2026 nur noch bei 2 bis 3 Prozent liegen, zuvor waren 3 bis 5 Prozent geplant. Das Konzern-Ebit soll das Vorjahresniveau erreichen statt deutlich darüber zu liegen. Als Gründe nennt das Unternehmen den schwierigen chinesischen Markt und höhere Materialkosten im Schlussquartal.
Mercedes setzt in China auf einen Strategiewechsel. Ab dem elektrischen E-Klasse-Modell in der zweiten Jahreshälfte 2027 soll für die dortige Produktion fast alles lokal beschafft werden. Zudem stellt der Vorstand für das Kapitalmarkt-Update Anfang 2027 weitreichende Entscheidungen zu Technik, Produkten und Betrieb in Aussicht.
Aktie nahe Jahrestief
Die Aktie kostete zuletzt rund 39,60 Euro. Das Jahrestief vom 8. Oktober liegt bei 38,89 Euro, zwischenzeitlich hatte sich der Kurs bis auf 41,80 Euro erholt.
Analysten bleiben trotz der Senkung freundlich: JP Morgan nennt ein Kursziel von bis zu 70 Euro. Das aktuell laufende Rückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Euro soll bis zur nächsten Hauptversammlung laufen. Wilhelm machte aber klar, dass sich künftige Ausschüttungen am erwirtschafteten Cash orientieren.
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