Der europäische Automarkt wächst. Mercedes-Benz wächst mit. Aber das Tempo der chinesischen Konkurrenz macht den Unterschied sichtbar — und der Aktienkurs zeigt, was Anleger davon halten.
BYD und Chery setzen neue Maßstäbe
Im Mai 2026 verzeichnete Mercedes-Benz in der EU 47.507 Neuzulassungen. Das entspricht einem Plus von 0,7 Prozent. Von Januar bis Mai kamen 230.313 Fahrzeuge zusammen — 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil blieb stabil bei 4,9 Prozent.
BYD steigerte seine EU-Zulassungen im Mai um 158,8 Prozent auf 26.017 Fahrzeuge. Chery legte sogar um 239,6 Prozent auf 16.282 Einheiten zu. SAIC Motor kam von Januar bis Mai auf über 100.000 EU-Zulassungen.
Das ist kein normaler Wettbewerb mehr. Chinesische Hersteller wachsen in Europa nicht schrittweise — sie springen.
Elektroautos verschieben die Kräfteverhältnisse
Hinter den Zulassungszahlen steckt ein struktureller Wandel. In den ersten fünf Monaten 2026 entfielen 20,0 Prozent aller EU-Neuzulassungen auf batterieelektrische Fahrzeuge — nach 15,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der gemeinsame Anteil von Benzin- und Dieselautos sank auf 30,1 Prozent, von 38,0 Prozent ein Jahr zuvor.
Mercedes-Benz reagiert mit einem Produktanlaufprogramm von mehr als 40 neuen Modellen zwischen 2025 und 2027. Im ersten Quartal stieg der Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge in Europa um 34 Prozent. Die Richtung stimmt. Ob das Tempo reicht, ist eine andere Frage.
Kurs nahe Jahrestief, Bewertung unter Druck
Die Aktie schloss am Dienstag bei 45,32 Euro. Das 52-Wochen-Tief von 43,99 Euro liegt nur 3 Prozent entfernt. Seit Jahresanfang hat der Titel 26,5 Prozent verloren und notiert rund 18 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der Stoxx Europe 600 Autos & Parts verlor am Dienstag zeitweise 1,5 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit März.
Operativ liefert Mercedes-Benz solide Zahlen. Im ersten Quartal erzielte der Konzern einen Umsatz von 31,6 Milliarden Euro und einen Free Cash Flow des Industriegeschäfts von 1,86 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte lag bei 4,1 Prozent — innerhalb der Jahresprognose.
Das Problem ist kein operativer Einbruch. Es ist die Frage, ob die Marge haltbar bleibt, wenn chinesische Anbieter mit aggressiven Preisen und schnellen Modellzyklen weiter in Europa skalieren. Solange diese Antwort offen ist, bleibt der Bewertungsabschlag auf dem Papier.
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