Mercedes-Benz Aktie: Autobauer stehen zusammen

Trotz Massenprotesten gegen Sparmaßnahmen legt die Mercedes-Aktie zu. Branchenweite Solidarität begleitet die Arbeitskampfmaßnahmen.

Auf einen Blick:
  • Proteste gegen verschobene Sonderzahlung
  • Solidarität von Audi und BMW
  • Aktie steigt trotz Arbeitskampf
  • Nächste Eskalation für Juli geplant

Zehntausende Beschäftigte gehen bundesweit auf die Straße, Kollegen von BMW und Audi erklären sich solidarisch – und die Mercedes-Aktie klettert trotzdem. Diese Diskrepanz zwischen Belegschaftszorn und Börsenreaktion ist an sich schon eine Geschichte wert.

An Standorten von Sindelfingen über Bremen bis Hamburg protestierten Beschäftigte am Freitag gegen den Sparkurs des Konzerns. In Sindelfingen sprach die Gewerkschaft von rund 20.000 Teilnehmern, das Unternehmen selbst nannte 10.000. In Bremen, dem größten privaten Arbeitgeber der Region mit rund 11.000 Beschäftigten, beteiligten sich laut Veranstaltern etwa 4.000 Menschen an einer Kundgebung. Am Hamburger Werk mit seinen rund 1.900 Mitarbeitern kamen nach Gewerkschaftsangaben rund 300 Beschäftigte zusammen – hier verlangsamte sich die Produktion laut Unternehmen zeitweise, ein Rückstand, den man aber schnell wieder aufholen könne.

Sonderzahlung verschoben, Arbeitszeit auf dem Prüfstand

Auslöser der Proteste ist ein Sparpaket, das der Vorstand Ende Juni in einem Schreiben an die Belegschaft angekündigt hatte. Rund 90.000 der insgesamt 108.000 Beschäftigten in Deutschland erhalten ihre tarifliche Sonderzahlung – den sogenannten Transformationsbaustein in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsgehalts – nicht wie geplant im Juli, sondern erst im kommenden Jahr. Parallel dazu will das Management mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln. Aktuell gilt tarifvertraglich die 35-Stunden-Woche, Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte sich zuletzt für 40 Wochenstunden ausgesprochen.

Die IG Metall wertet die Maßnahmen als einseitige Belastung der Belegschaft für Managementfehler. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sprach von einem Versuch, hart erkämpfte Errungenschaften zurückzudrehen und bezeichnete dies als keine Grundlage für weitere Gespräche.

Solidarität über Werksgrenzen hinweg

Bemerkenswert ist die branchenweite Rückendeckung: Sowohl der Audi-Betriebsrat als auch die BMW-Arbeitnehmervertretung stellten sich hinter die Mercedes-Beschäftigten. Der Audi-Betriebsratsvorsitzende Jörg Schlagbauer warnte vor einem Muster, das von Stuttgart über Wolfsburg bis München und Ingolstadt reichen könnte. Auch der bayerische IG-Metall-Chef Horst Ott stellte klar, dass ein Angriff auf die 35-Stunden-Woche die gesamte Gewerkschaft auf den Plan rufe.

Der Hintergrund: Die Krise trifft die gesamte deutsche Autoindustrie. Das Ifo-Geschäftsklima für die Branche liegt seit rund drei Jahren im negativen Bereich und sank im Juni auf minus 21,4 Punkte. Schwache Nachfrage aus China und verschärfter internationaler Wettbewerb setzen nicht nur Mercedes, sondern auch Zulieferer, BMW und Audi unter Druck.

An der Börse zeigte sich davon zunächst wenig – die Aktie legte am Freitag im XETRA-Handel zeitweise um 1,55 Prozent auf 45,50 Euro zu. Die Gewerkschaft kündigte bereits die nächste Eskalationsstufe an: Für den 9. Juli ist in Stuttgart ein branchenweiter Autokorso von Beschäftigten aus Herstellung und Zulieferindustrie geplant.

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