Zehntausende Beschäftigte, verschärfte Sparpläne, ein Aktienkurs nahe am Jahrestief: Bei Mercedes-Benz brodelt es. Die IG Metall spricht bereits von einem möglichen „heißen Sommer und Herbst“ für die gesamte Autoindustrie. Der Auslöser: Das Management will die Wochenarbeitszeit erhöhen und eine Sonderzahlung verschieben.
Was das Management fordert
Mercedes-Benz will die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden anheben. Ohne Lohnausgleich. Zusätzlich soll eine tarifliche Sonderzahlung für rund 90.000 der etwa 108.000 deutschen Beschäftigten ins nächste Jahr verschoben werden.
Das Unternehmen begründet die Maßnahmen mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die Arbeitskosten in Deutschland seien im globalen Vergleich zu hoch, so die Argumentation des Konzerns. In einem Schreiben und einer Videobotschaft hatte das Management zuvor angekündigt, die Kosten „mit Hochdruck“ senken zu müssen.
Die Belegschaft antwortet mit Protest
Allein am 3. Juli beteiligten sich laut IG Metall über 33.000 Mercedes-Beschäftigte an Protestaktionen. Die Standorte reichten von Sindelfingen und Untertürkheim über Bremen und Hamburg bis nach Berlin, Rastatt, Kuppenheim und Germersheim. Am 9. Juli 2026 gingen erneut Beschäftigte bundesweit auf die Straße.
Die Gewerkschaft kündigt bereits weitere Proteste an. Sollte das Management zusätzlich auf Arbeitsplatzabbau oder Standortverlagerung setzen, drohe eine Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Branche.
Der Aktienkurs spiegelt den Druck
Die Mercedes-Benz Aktie schloss am Donnerstag bei 43,96 Euro. Damit liegt sie nur noch 3,10 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro, das erst am 29. Juni erreicht wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 29 Prozent verloren.
Der Kurs bewegt sich damit weit unter seinen gleitenden Durchschnitten. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 48,07 Euro fehlen 8,55 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt von 54,61 Euro sogar 19,51 Prozent. Der RSI von 38,2 signalisiert eine schwache, aber noch nicht überverkaufte Kursdynamik.
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 42,49 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Dezember 2025 markierte die Aktie noch ein 52-Wochen-Hoch bei 62,30 Euro — ein Abstand von mittlerweile fast 30 Prozent zum aktuellen Niveau.
Ein Konflikt mit offenem Ausgang
Der Streit trifft Mercedes-Benz in einer ohnehin schwierigen Phase. Elektromobilität, hohe Investitionen und intensiver Wettbewerb belasten die gesamte Branche. Zuletzt verzeichnete der Konzern einen Gewinnrückgang.
Wie lange sich Management und Belegschaft gegenüberstehen, ist offen. Für die Kostenstruktur des Konzerns dürfte der Ausgang der Verhandlungen ebenso entscheidend werden wie für das Verhältnis zur eigenen Belegschaft.
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