Mercedes-Benz steht wachsendem Druck aus den USA gegenüber. Konkrete Details zu den Auswirkungen blieben zwar zunächst offen, doch die Aktie notiert bereits deutlich unter ihrem Niveau vom Jahresbeginn. Der Schlusskurs von 45,99 Euro am Freitag liegt rund 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro, das der Titel Mitte Dezember erreichte.
US-Geschäft gerät stärker in den Fokus
Der Handelsdruck aus den Vereinigten Staaten dürfte für Mercedes-Benz an Bedeutung gewinnen, gerade weil der US-Markt für die Stuttgarter traditionell zu den wichtigsten Absatzregionen zählt. Zusätzliche Belastungen aus diesem Bereich träfen den Konzern in einer Phase, in der die Aktie ohnehin unter Druck steht: Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 24 Prozent verloren.
Elektromobilität als Gegengewicht
Auf der anderen Seite treibt Mercedes-Benz seine Elektrifizierungsstrategie voran. Anfang August erweiterte ChargePoint seine Partnerschaft mit Mercedes-Benz AG um integrierte Ladelösungen für Firmenflotten in Großbritannien und Deutschland. Solche Kooperationen sollen das Geschäft mit elektrischen Nutzfahrzeugen stärken, während der Konzern gleichzeitig mit dem US-Druck ringt.
Für die mittelfristige Perspektive rechnen Analysten laut einer Prognose für das Jahr 2029 mit einem Umsatz von 141,2 Milliarden Euro und einem Gewinn von 6,9 Milliarden Euro bei Mercedes-Benz.
Der daraus abgeleitete faire Wert von 57,11 Euro würde ein Aufwärtspotenzial von rund 24 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursniveau bedeuten – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Kursschwäche nicht zwangsläufig die langfristigen Ertragsaussichten widerspiegelt.
Wettbewerbsdruck aus China verschärft die Lage
Der Gegenwind kommt nicht nur aus den USA. Chinesische Hersteller haben ihren Marktanteil in der EU binnen eines Jahres auf 11 Prozent verdoppelt, bei reinen Elektrofahrzeugen liegt er inzwischen bei 16 Prozent.
Zwar betrifft diese Entwicklung die gesamte deutsche Autoindustrie und wurde zuletzt insbesondere im Zusammenhang mit Volkswagen diskutiert, doch der verschärfte Preiswettbewerb im Premiumsegment dürfte auch Mercedes-Benz nicht verschonen. Modelle wie der MG4 Urban für rund 13.000 Euro unterbieten europäische Konkurrenten deutlich.
Was das für Anleger bedeutet
Die Kombination aus US-Handelsrisiken, chinesischem Wettbewerbsdruck und einer laufenden Transformation hin zur Elektromobilität hält die Aktie in einer schwierigen Gemengelage. Mit einem Abstand von rund 14 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt von 53,24 Euro zeigt der Titel technisch weiterhin Schwäche.
Ob die Elektrifizierungspartnerschaften und die optimistischen Langfristprognosen ausreichen, um den zusätzlichen US-Druck zu kompensieren, dürfte sich erst in den kommenden Wochen klarer abzeichnen, sobald mehr Details zu den konkreten Auswirkungen vorliegen.
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