Mercedes-Benz verlagert die Fertigung eines wichtigen Elektromodells nach Ungarn. Das deutsche Werk Rastatt geht dabei leer aus. Für die Belegschaft in Deutschland ist das ein weiteres Warnsignal in einer ohnehin angespannten Zeit.
Kecskemét wird zum neuen Kernstandort
Die kompakte „kleine G-Klasse“ soll ab 2027 vom Band laufen. Produziert wird sie aber nicht in Deutschland, sondern im ungarischen Werk Kecskemét. Das Modell basiert auf der MMA-Plattform für Kompaktfahrzeuge und gilt als wichtiges Volumenmodell der Elektrostrategie.
Mercedes-Benz investiert rund eine Milliarde Euro in den Ausbau des Standorts. Die Kapazität soll sich auf 300.000 bis 400.000 Fahrzeuge pro Jahr fast verdoppeln. Der Anteil Ungarns an der europäischen Produktion steigt damit von 15 auf etwa 30 Prozent.
Die Belegschaft vor Ort wächst um 3.000 auf 7.500 Mitarbeiter. Neben der kleinen G-Klasse fertigt Kecskemét künftig auch die elektrische C-Klasse. Dazu kommen die Verbrenner-Modelle A-Klasse und GLB. Mercedes begründet den Schritt mit niedrigeren Lohn- und Energiekosten am ungarischen Standort.
Belegschaft protestiert gegen Sparpläne
Die Verlagerung trifft auf eine ohnehin aufgeheizte Stimmung. In der vergangenen Woche gingen an mehreren deutschen Mercedes-Standorten Tausende Beschäftigte auf die Straße. Die IG Metall organisierte die Proteste gegen die Sparpläne des Vorstands.
Der Vorstand will die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden erhöhen, ohne Lohnausgleich. Zusätzlich sollen Sonderzahlungen verschoben werden. Damit reiht sich Mercedes-Benz in eine Welle von Restrukturierungen ein, die auch Volkswagen und Porsche treffen. Chinesische Konkurrenz, hohe Energiekosten und der Umstieg auf Elektroautos setzen die gesamte Branche unter Druck.
Aktie kämpft sich aus der Tiefe
Die Mercedes-Aktie notiert aktuell bei 45,36 Euro, kaum verändert zum Freitag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,11 Prozent zu Buche. Der Blick aufs Jahr zeigt allerdings ein anderes Bild: Seit Januar hat das Papier 26,42 Prozent verloren.
Zum 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro aus dem Dezember fehlen der Aktie noch gut 27 Prozent. Vom Tief bei 42,64 Euro, markiert Ende Juni, trennen sie dagegen nur wenige Prozentpunkte. Der RSI von 43,7 signalisiert eine neutrale Marktlage, das lässt technisch Raum nach oben.
Bei den Analysten mehren sich vorsichtig positive Stimmen. Jefferies stufte die Aktie auf „Buy“ hoch, senkte aber das Kursziel von 60 auf 52 Euro. Die Begründung: Ein Großteil der schlechten Nachrichten sei im Kurs bereits verarbeitet. Die UBS bleibt dagegen neutral. Im Analystenkonsens liegt das Rating bei „Buy“, das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel bei 59,69 Euro.
Entscheidende Wochen stehen bevor
Im Juli erwartet der Markt gleich zwei wichtige Termine. Ein Analystengespräch soll Aufschluss über die Margenentwicklung geben. Kurz darauf folgen die detaillierten Zahlen zum zweiten Quartal, die zeigen dürften, wie weit die Restrukturierung bereits greift.
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