49 Prozent Umsatzwachstum im Jahresvergleich. Das stärkste Quartal seit Q2 2022. Kreditkartenvolumen plus 90 Prozent. Und die Aktie rutscht vorbörslich um vier Prozent. Willkommen bei MercadoLibre, wo gute Zahlen manchmal nicht gut genug sind.
Brasilien zieht, der Rest auch
CFO Martin de Los Santos hatte im Earnings Call wenig Mühe, das Quartal zu verteidigen. Brasilien-GMV plus 38 Prozent, verkaufte Artikel sogar plus 56 Prozent, und die Versandkosten pro Paket sanken um 17 Prozent in Lokalwährung. „Höhere Nachfrage treibt niedrigere Kosten“, sagte de Los Santos, und das ist tatsächlich die Logik, auf die MercadoLibre seit Jahren hinarbeitet.
Dazu kommen 2,7 Millionen neu ausgegebene Kreditkarten in einem einzigen Quartal, ein Kreditportfolio, das auf 14,6 Milliarden Dollar fast verdoppelt wurde, und Mercado Pago mit 29 Prozent mehr monatlich aktiven Nutzern. Auf dem Papier ein ordentliches Quartal.
Die Marge ist Absicht, nicht Unfall
Das Problem, zumindest aus Anlegersicht: Die operative Marge liegt bei 6,9 Prozent. Für ein Unternehmen dieser Wachstumsgeschwindigkeit ist das nicht katastrophal, aber die Analysten wollten wissen, ob das der neue Normalzustand ist. De Los Santos antwortete mit einer Klarheit, die man selten hört: „Wir optimieren nicht für kurzfristige Margen.“ Die Marge sei eine Konsequenz der Investitionshaltung, kein Ziel. Man könnte die Investitionen drosseln und die Marge sofort verbessern. Man wolle das nicht.
Goldman-Sachs-Analystin Irma Sgarz fragte direkt, was sich seit Q4 verändert habe und ob das Q1-Margenniveau als Ausgangspunkt gelten soll. Die Antwort war im Kern: Die Investitionsphilosophie hat sich nicht geändert, die Belege für die Wirksamkeit sind nur stärker geworden.
MercadoLibre Aktie Chart
Brasilien-Wettbewerb, Kreditrisiko, LLMs
CEO Ariel Szarfsztejn betonte auf die Frage nach Amazon in Brasilien, das Unternehmen gedeihe in Wettbewerbsumgebungen und halte gerade Rekordmarktanteile. Fintech-Chef Osvaldo Giménez erklärte die NIM-Kompression mit einem höheren Kreditkartenanteil und bewusst verlängerten Laufzeiten bei Privatkrediten, von fünf auf acht Monate im Schnitt. Die Kreditqualität bleibe stabil, sagte er. Außerdem: MercadoLibre hat im ersten Quartal erstmals LLMs in der Suche eingesetzt, in Brasilien, Mexiko und Argentinien, mit messbarem Effekt im Kauftrichter.
Q2 wird interessant
Die gezielten Rabattaktionen für brasilianische Verkäufer wurden erst spät im Quartal eingeführt. Ihre volle Wirkung auf die Marge zeigt sich demnach erst in Q2. De Los Santos sagte das offen, was erklärt, warum die Analysten nach dem Call nervöser sind als die Zahlen allein rechtfertigen würden. Vier Prozent vorbörslich im Minus für ein Quartal mit 49 Prozent Umsatzwachstum. MercadoLibre zahlt gerade den Preis dafür, dass es keine Margenziele nennt und trotzdem erwartet wird, dass die Marge steigt.
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