Wer auf McDonald’s als sicheren Hafen in stürmischen Zeiten gesetzt hat, hat in diesem Jahr bislang nicht viel Freude gehabt. Rund 12 Prozent liegt die Aktie seit Jahresbeginn im Minus, und die Frage, die sich Anleger jetzt stellen, ist simpel: Ist das schon eine Kaufgelegenheit?
Margen unter Druck, Management unter Zugzwang
Das Q1-Ergebnis war auf den ersten Blick ordentlich. McDonald’s schlug die Konsensschätzungen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. Doch im Detail steckt der Haken: Die Margen in den US-Eigenrestaurants nannte das Management selbst „inakzeptabel“. Das ist ungewöhnlich offen für ein Unternehmen dieser Größe, und es ist kein gutes Zeichen. Gleichzeitig hält McDonald’s an seinem Ziel fest, bis Ende 2027 rund 50.000 Restaurants zu betreiben, und bestätigte die Jahresprognose für 2026.
Auf der Kostenseite klingt es weniger entspannt. Das Management verwies auf steigende Inflationsrisiken durch globale Lieferkettenprobleme und betonte, man konzentriere sich auf das, was man kontrollieren könne. Das ist keine Ansage, die Vertrauen weckt. Es ist die Ansage eines Unternehmens, das weiß, dass es in einem schwierigen Fahrwasser steckt.
Nicht immun, aber widerstandsfähiger als die meisten
Was sich über die vergangenen Monate abgezeichnet hat: Selbst die Ketten, die als relative Gewinner der Konsumkrise galten, geraten nun unter Druck. McDonald’s ist da keine Ausnahme. 37 Prozent der Amerikaner essen laut verfügbaren Daten weniger auswärts, 51 Prozent bestellen weniger pro Besuch, 60 Prozent wechseln zu günstigeren Restaurants. Das letzte Kriterium war lange ein Vorteil für McDonald’s. Doch auch das hat Grenzen, wenn die Sparquoten auf Mehrjahrestiefs fallen und das Budget schlicht nicht mehr reicht.
Zum Vergleich: Wendy’s-Aktie liegt rund 70 Prozent unter dem Stand von 2023. So weit ist McDonald’s von dieser Entwicklung entfernt. Aber die Richtung ist dieselbe, nur langsamer.
Nächste Zahlen am 4. August
Der Markt erwartet für Q2 einen Gewinn je Aktie von 3,34 US-Dollar bei einem Umsatz von 7,13 Milliarden US-Dollar. KeyBanc rechnet damit, dass McDonald’s diese Schätzungen leicht verfehlen wird. Die Analysten verweisen auf den schwierigen Vergleich mit der Minecraft-Promotion aus dem Vorjahr und sehen gemischte Signale aus der FIFA-WM-Partnerschaft. Kein Desaster, aber auch kein Rückenwind.
Fair bewertet, kein Schnäppchen
Ein DCF-Modell auf Basis des 2025er Free Cashflows von 7,19 Milliarden US-Dollar, einer angenommenen Wachstumsrate von 8,5 Prozent in den ersten fünf Jahren und einem Diskontierungssatz von 8,5 Prozent kommt auf einen fairen Wert von rund 271 US-Dollar je Aktie. Der Kurs zum jetzigen Zeitpunkt liegt bei rund 267 US-Dollar. Das erscheint nicht sonderlich lukrativ, vor allem, weil es auch noch ein relativ optimistisches Szenario voraussetzt.
Wer sich also bei McDonald’s in Position bringen will, sollte meiner Einschätzung nach lieber noch auf mehr Abwärtsdruck warten. Der könnte schon mit den Q2-Zahlen kommen.
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