Manchmal verrät der Blick auf zwei Zahlen mehr über eine Branche als jede Analystenstudie. Vor einem Jahr sprach Marvell Technology von einem kombinierten Umsatzziel für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 von 20 Milliarden Dollar.
Auf der Citi 2026 Global TMT Conference am Mittwoch hob das Unternehmen diese Zielmarke auf 30 Milliarden Dollar an. Wer verstehen will, warum die Aktie trotz aller Rückschläge der vergangenen Wochen seit Jahresbeginn ein Plus von 171 Prozent aufweist, findet in dieser einen Korrektur schon die halbe Antwort.
Die andere Hälfte liegt im Rechenzentrumsgeschäft. Marvell bezifferte dessen Umsatz für das Kalenderjahr 2023 auf 2,2 Milliarden Dollar. Für das kommende Jahr rechnet das Management nun mit 15 bis 16 Milliarden Dollar. Das ist keine graduelle Verbesserung, das ist ein Strukturbruch – getrieben von einer Industrie, die gerade neu vermisst, wie viel Rechenleistung sie für künstliche Intelligenz tatsächlich braucht.
Marvell hat sich, das zeigen auch die jüngsten Quartalszahlen, mitten in diesen Umbau hineinmanövriert: Data-Center-Umsätze wuchsen im zweiten Fiskalquartal um 46 Prozent und machten bereits 79 Prozent des Gesamtgeschäfts aus.
Ein Geschäftsmodell im Umbruch
Dass ein Halbleiterkonzern binnen weniger Jahre von einem diversifizierten Portfolio zu einem fast reinen KI-Infrastruktur-Anbieter wird, ist selten und riskant zugleich.
Marvell sichert sich dafür nach eigenen Angaben zusätzliche Fertigungskapazität über langfristige Partnerschaften ab, unter anderem mit einer Vorauszahlungsverpflichtung von einer Milliarde Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Das ist ein Signal an Investoren, dass Lieferengpässe nicht zum limitierenden Faktor werden sollen – aber es bindet auch Kapital in einer Wette, deren Fälligkeit erst noch kommt.
Auch das Connectivity-Geschäft, jenseits der reinen KI-Chips, wächst laut Unternehmensangaben um mehr als 70 Prozent im Jahresvergleich. Die Custom-ASIC-Sparte soll nach Aussage des Managements über die Zeit zu einem deutlich größeren Geschäftsbereich heranwachsen. Auch hier gilt: Die Richtung stimmt, das Tempo bleibt eine Frage der Ausführung.
Genau an diesem Punkt wird die Sache interessant für alle, die in den vergangenen Wochen die Kursrücksetzer verfolgt haben. Nach den Zahlen Ende August war die Aktie zunächst gefallen, weil Anleger sich auf den Zeitpunkt der Erlöse aus der Google-Kooperation konzentrierten – nennenswerte Umsätze daraus erwartet das Management erst ab dem Geschäftsjahr 2029. Seither hat sich das Papier wieder gefangen: Der aktuelle Kurs von 197,82 Euro liegt 2,8 Prozent über dem Niveau vor gut einer Woche. Auf Monatssicht steht ein Plus von 4,9 Prozent zu Buche.
Wachstum trifft auf Geduldsprobe
Das ist die Spannung, die diese Aktie derzeit prägt: Ein Unternehmen mit gewaltigen Wachstumsraten, das gleichzeitig seine Investoren auf spätere Jahre vertröstet. Die Guidance für das Geschäftsjahr 2027 liegt bei rund 12 Milliarden Dollar Umsatz, für 2028 bei rund 18 Milliarden Dollar – beide Werte wurden im Rahmen der jüngsten Berichtssaison angehoben.
Operative Margen von 38 bis 40 Prozent sollen bis zum Ende dieser beiden Geschäftsjahre erreicht werden. Zahlen, die nach Substanz klingen, aber eben auch Zahlen, die erst noch eingelöst werden müssen.
Institutionelle Investoren agieren entsprechend uneinheitlich. Während Virginia Retirement Systems im zweiten Quartal 2026 Marvell-Aktien im Wert von rund 14,36 Millionen Dollar zukaufte, reduzierte der Fonds Groupe la Française seine Position um mehr als die Hälfte. Beide Bewegungen passen zu einem Wert, der gerade zwischen Euphorie über die KI-Story und Skepsis über deren Timing pendelt.
Der Blick auf die Handelsdaten zeigt diese Ambivalenz auch technisch: Mit 197,82 Euro notiert die Aktie zwar 5,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, liegt aber noch 32 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro.
Für eine endgültige Einordnung der langfristigen Strategie hat das Management einen Investorentag für den 6. Oktober angekündigt. Bis dahin bleibt die 30-Milliarden-Dollar-Vision das, was sie ist: eine ambitionierte Wette auf einen Markt, der sich gerade neu erfindet.
Marvell Technology-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Marvell Technology-Analyse vom 11. September liefert die Antwort:
Die neusten Marvell Technology-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Marvell Technology-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Marvell Technology: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
