Eigentlich hätte das ein starker Handelstag für Marvell Technology werden sollen. Rekordumsatz, höhere Prognosen, ein Ergebnis über den Erwartungen — und trotzdem sackte die Aktie im vorbörslichen US-Handel um rund acht Prozent ab. Der Grund liegt nicht in den Zahlen selbst, sondern in dem, was das Management dazu sagte.
Zahlen stimmen, Ausblick enttäuscht
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 setzte Marvell 2,74 Milliarden US-Dollar um, ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,94 US-Dollar und damit über dem Analystenkonsens. Motor des Wachstums bleibt das Data-Center-Geschäft, das um 46 Prozent auf 2,17 Milliarden US-Dollar zulegte.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Marvell nun mit rund 12 Milliarden US-Dollar Umsatz, für das Geschäftsjahr 2028 mit etwa 18 Milliarden US-Dollar — beide Werte über den zuvor kommunizierten Zielen. Der Haken: Der Anstieg fiel den Anlegern angesichts der Anfang des Monats erweiterten Custom-Chip-Vereinbarung mit Google zu mager aus. Investoren hatten auf ein deutlich kräftigeres Signal gehofft.
Der Google-Deal als Streitpunkt
Die am 19. August bekanntgegebene Vereinbarung mit der Google-Mutter Alphabet sieht vor, dass Google einen Optionsschein auf bis zu knapp 59 Millionen Marvell-Aktien zum Bezugspreis von 206,58 US-Dollar erhält — bei voller Ausübung ein Volumen von rund 12,18 Milliarden US-Dollar.
Nach Unternehmensangaben könnte der Deal Marvell bis zum Geschäftsjahr 2033 kumuliert etwa 120 Milliarden US-Dollar an Umsatz bringen, sofern Google die vereinbarten Abnahmeziele erfüllt.
Auf der Telefonkonferenz wollten Analysten wissen, warum sich das angesichts dieser Größenordnung nicht stärker in der Prognose für 2028 niederschlägt.
Das Management erklärte, die vom Warrant abgedeckten Programme seien bis dahin bereits im Custom-Umsatzziel enthalten — der „große Effekt“ komme erst ab dem Geschäftsjahr 2029. Eine konkrete Zielgröße dafür nannte CEO Matt Murphy nicht, verwies aber auf einen für den 6. Oktober angesetzten Investorentag. CFO Willem Meintjes bekräftigte zusätzlich geplante Kapazitäts-Vorauszahlungen an Lieferanten von etwa 1 Milliarde US-Dollar im laufenden Jahr.
Analysten von Goldman Sachs, Jefferies und UBS bewerteten die Resultate zwar grundsätzlich positiv, verwiesen aber übereinstimmend auf die bereits sehr hohen Markterwartungen. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie bis zuletzt rund 184 Prozent zugelegt — ein Vielfaches der Nvidia-Performance im selben Zeitraum. Nach einer derartigen Rally reicht offenbar selbst ein angehobener Ausblick nicht, um jede Zweifel auszuräumen.
Der Investorentag am 6. Oktober dürfte zeigen, wie konkret Marvell die Wachstumsziele ab dem Geschäftsjahr 2029 beziffert und wie sich die Custom-Chip-Sparte gegenüber der bisherigen Zielmarke von mehr als 10 Milliarden US-Dollar entwickeln soll.
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