Marvell Technology steuert auf einen der wichtigsten Termine des Jahres zu. Am Donnerstag nach US-Börsenschluss legt der Chiphersteller seine Zahlen für das zweite Fiskalquartal 2027 vor – und die Wall Street ist sich alles andere als einig, was danach passiert.
Die Aktie fiel zuletzt um 4,7 Prozent auf 225,83 Dollar. Der Rücksetzer kommt nach einem außergewöhnlichen Lauf: Allein 2026 hat sich der Kurs um 179 Prozent nach oben geschraubt, getragen von der Nachfrage nach Data-Center-Infrastruktur im Zuge des KI-Booms. Vor derart hoch bewerteten Positionen greifen Anleger offenbar lieber zur Kasse, statt weiter aufzustocken.
Gespaltenes Analystenbild
Die Bandbreite der Einschätzungen könnte kaum größer sein. Wells Fargo hob sein Kursziel von 240 auf 310 Dollar an und bekräftigte die Overweight-Einstufung. Morgan Stanley dagegen beließ es bei Equalweight und schraubte das Kursziel nur auf 224 Dollar – ein Niveau unterhalb des aktuellen Kurses.
Benchmark bestätigte unterdessen seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 275 Dollar und rechnet für das Juli-Quartal mit 2,709 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von 0,93 Dollar – Werte, die nah am Marktkonsens liegen.
Trotz der Skepsis einzelner Häuser bleibt das Gesamtbild bullish: 38 Analysten stufen die Aktie mit Kaufen ein, keiner mit Verkaufen. Auf der Wettplattform Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnübertreffens mit 88 Prozent beziffert. Die Messlatte liegt entsprechend hoch – ein Zahlenschlag im Rahmen der Erwartungen dürfte kaum reichen, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen.
Google-Deal als Blickfang
Benchmark-Analyst Cody Acree betont, dass weniger die Juli-Zahlen selbst zählen als vielmehr der Data-Center-Mix, der Ausblick für Oktober und wie das Management die neue Google-Partnerschaft einordnet.
Die Kooperation, die zuletzt für zweistellige Kursgewinne sorgte, hat mehrere Häuser zu optimistischen Stellungnahmen bewegt – Barclays etwa sieht darin ein Umsatzpotenzial von bis zu 120 Milliarden Dollar bis zum Fiskaljahr 2033, sollte Marvell sämtliche vereinbarten Warrants ausschöpfen.
Der breitere Marktkontext spielte der Aktie am Montag nicht in die Karten: Der Nasdaq gab 0,9 Prozent nach, der S&P 500 verlor 0,4 Prozent, während auch Wettbewerber wie Broadcom und Micron vorsichtig in ihre eigenen Zahlensaisons starten.
Am Donnerstag nach Börsenschluss zeigt sich, ob Marvell die hohen Erwartungen an das Data-Center-Geschäft und den Ausblick für das Fiskaljahr 2028 erfüllen kann. Bis dahin bleibt die Aktie anfällig für weitere kurzfristige Ausschläge, selbst wenn die langfristige These rund um KI-Infrastruktur intakt bleibt.
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