Marvell Technology versucht sich an einem Comeback. Die Aktie legt am Montag um 2,33 Prozent auf 168,96 Euro zu, nach einem Schlusskurs von 165,12 Euro am Freitag. Der Kursrutsch der vergangenen Wochen war brutal — jetzt debattiert die Wall Street, ob sich hier eine Kaufgelegenheit auftut oder ob die Korrektur überfällig war.
Die Zahlen zeigen das Ausmaß des Absturzes. Die Aktie liegt noch immer 41,81 Prozent unter ihrem Hoch vom 3. Juni 2026. In den vergangenen 30 Tagen hat das Papier fast 39 Prozent an Wert verloren. Der RSI steht bei 36,9 Punkten — die Aktie nähert sich damit einer überverkauften Zone, ein Signal, das bei volatilen Halbleiterwerten historisch oft Erholungsrallyes vorausging.
Bewertung als Streitpunkt
Im Zentrum der Debatte steht die Bewertung. Marvell handelt beim nicht-GAAP-Gewinnmultiplikator im Bereich von 70 bis 80 — weit über dem Branchendurchschnitt von etwa 25. Manche Marktbeobachter sprechen deshalb nicht mehr von einem „wunderbaren Kauf“, ein Wortspiel mit dem Firmennamen.
Hans Engel von der Erste Group stufte die Aktie von Kaufen auf Halten zurück. Sein Argument: Die starke Abhängigkeit von wenigen Großkunden mache die Margen langfristig anfälliger. Andere Beobachter verweisen auf einen Rückgang der Bruttomarge im Jahresvergleich. Das operative Ergebnis und der Nettogewinn wachsen demnach langsamer als der Umsatz.
Wachstum bleibt intakt
Die Bullen argumentieren mit den Fundamentaldaten — und die haben sich trotz des Kursverfalls weiter verbessert. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Marvell einen Umsatz von 2,418 Milliarden Dollar, ein Plus von 27,6 Prozent zum Vorjahr. Der Bereich Rechenzentren steuerte davon 1,833 Milliarden Dollar bei, also 76 Prozent des Gesamtumsatzes.
CEO Matt Murphy rechnet für das zweite Quartal mit rund 2,7 Milliarden Dollar Umsatz im Mittelwert der Prognose — ein Wachstum von etwa 35 Prozent. Murphy spricht von einer deutlichen Anhebung der Umsatzziele für die Geschäftsjahre 2027 und 2028.
Rückenwind kommt auch von der im Februar abgeschlossenen Übernahme von XConn Technologies. Chiplet-Konnektivität hat sich seither von einer Randnotiz zu einem zentralen Baustein der KI-Rechenzentrums-Story entwickelt. Mehrere Analysten haben ihre Kursziele nach dem Launch des Teralynx T100 entsprechend angehoben:
- KeyBanc: 385 Dollar
- BofA: 365 Dollar
- Stifel: 350 Dollar
- UBS: 340 Dollar
Ausblick
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 97 Prozent — ein Wert, der zeigt, wie schnell die Stimmung bei diesem Titel in beide Richtungen kippen kann. Der Konsens unter Analysten bleibt trotz allem bei „Strong Buy“, mit zweistelligen Kurszielen über dem aktuellen Niveau.
Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob Marvell die angehobene Umsatzprognose auch liefert. Die nächsten Quartalszahlen und weitere Investitionssignale der großen Cloud-Anbieter werden zeigen, welches Lager in der Bewertungsdebatte recht behält.
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