Ein branchenweiter Ausverkauf bei Halbleiterwerten hat Marvell Technology in den vergangenen Tagen kräftig unter Druck gesetzt. Am 15. Juli schloss die Aktie an der Nasdaq bei 206,26 US-Dollar, ein Minus von 7,27 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 222,44 US-Dollar. Damit reihte sich Marvell in eine Verkaufswelle ein, die auch Micron, SanDisk, Intel und AMD erfasste – ausgelöst durch einen Bericht der Financial Times, wonach Apple DRAM-Speicher des chinesischen Herstellers CXMT testet, sowie durch einen historischen Kursrutsch beim südkoreanischen Leitindex KOSPI, der am 16. Juli um 6,49 Prozent einbrach und einen Handelsstopp auslöste.
Kurs mehr als 40 Prozent unter dem Hoch
Der Kursverfall zieht sich mittlerweile über Wochen. Aktuell notiert die Marvell-Aktie bei 172,30 Euro und büßt damit an diesem Handelstag weitere 4,46 Prozent ein. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, beträgt der Abstand inzwischen 40,66 Prozent. Allein in den vergangenen 30 Tagen hat das Papier 28,42 Prozent verloren – ein Tempo, das den fulminanten Anstieg der vergangenen Monate in kurzer Zeit deutlich relativiert. Analysten von Zacks Investment Ideas verweisen darauf, dass Marvell und Micron sich von ihren Frühjahrstiefs zwischenzeitlich mehr als verdreifacht hatten, sich der Trend seit einigen Wochen jedoch umgekehrt hat: Während Micron gut 20 Prozent unter dem Hoch notiert, liegt Marvell mit mehr als 35 Prozent Abstand deutlich schwächer.
Wachstum bleibt intakt, Bewertung bleibt hoch
Operativ zeigt Marvell trotz der Kursschwäche solide Zahlen. Im Geschäftsjahr 2026 stieg der Umsatz um 42 Prozent auf 8,2 Milliarden US-Dollar, der Bereich Data Center trug dabei mehr als 6 Milliarden US-Dollar bei. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 81 Prozent auf 2,84 US-Dollar zu. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 wuchs der Umsatz um 28 Prozent auf 2,418 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,80 US-Dollar. Die kommenden Quartalszahlen sind für den 27. August 2026 terminiert. Nach Konsensschätzungen, die im Analysehaus Trefis zusammengefasst sind, soll der Umsatz im Geschäftsjahr 2027 auf 11,5 Milliarden US-Dollar und im Geschäftsjahr 2028 auf 16,6 Milliarden US-Dollar steigen, begleitet von einem erwarteten Gewinn je Aktie von 4,05 beziehungsweise 6,18 US-Dollar.
Diese Wachstumsstory speist sich maßgeblich aus dem Geschäft mit kundenspezifischen KI-Chips. Marvell kontrolliert nach Angaben von Motley Fool zwischen 20 und 25 Prozent dieses Marktsegments und beliefert nach eigenen Angaben die vier größten US-Hyperscaler; mehr als 50 Projektchancen für Custom-AI-Chips sollen perspektivisch einen Lebenszeitumsatz von bis zu 75 Milliarden US-Dollar bringen. Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnete Marvell als potenzielles Billionen-Dollar-Unternehmen. Zusätzlich investierte Nvidia rund 2 Milliarden US-Dollar in Marvell, um gemeinsam an Custom-AI-Chips und Konnektivitätslösungen zu arbeiten – Marvell unterstützt sowohl den offenen UALink-Standard als auch das NVLink-Ökosystem und hat zur Stärkung der optischen Konnektivität das Unternehmen Polariton Technologies übernommen.
Analysten uneins über Einstiegszeitpunkt
Die Einschätzungen zur Aktie fallen unterschiedlich aus. UBS nennt ein Kursziel von 340 US-Dollar, Cantor Fitzgerald 300 US-Dollar. Das Analysehaus Financhill kommt dagegen zu einer skeptischeren technischen Einschätzung mit einem Bewertungsscore von 46 von 100 Punkten, was einer Verkaufsempfehlung entspricht, und sieht die Aktie unterhalb ihrer gleitenden Durchschnitte in einem bärischen Trend. Zacks Investment Ideas rät Anlegern, die auf einen Rücksetzer warten, derzeit eher zu Micron als zu Marvell, dessen Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 50 auf Basis der erwarteten Gewinne als anspruchsvoll gilt. Simply Wall St verweist zudem auf strukturelle Risiken: eine hohe Kundenkonzentration, eine starke Umsatzabhängigkeit von China mit 3,3 Milliarden US-Dollar sowie generelle Handelsrisiken zwischen den USA und China. Der breitere Marktkontext verschärft die Nervosität zusätzlich – Halbleiterwerte machen mittlerweile rund 20 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus, deutlich mehr als auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, was die Sektorbewertung insgesamt anfälliger für scharfe Korrekturen macht.
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