Marvell Technology Aktie: 2,7 Milliarden Umsatz angepeilt

Marvell stellt auf der FMS 2026 neue SSD-Controller für KI-Speicher vor und kündigt Investitionen in Indien an. Die Umsatzprognose für das zweite Quartal liegt bei 2,7 Milliarden US-Dollar.

Auf einen Blick:
  • Neuer SSD-Controller Bravera SC6 vorgestellt
  • Investition von 250 Millionen US-Dollar in Indien
  • Umsatzprognose: 2,7 Milliarden US-Dollar
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Wer über Künstliche Intelligenz spricht, denkt meist zuerst an die Rechenpower von Grafikprozessoren. Doch was nützt der schnellste Denker, wenn ihm die Informationen nur tröpfchenweise serviert werden? In der Chip-Branche ist dieses Problem als „Memory Wall“ bekannt – ein digitaler Stau, an dem die Effizienz ganzer Rechenzentren scheitern kann. Während Giganten wie Nvidia die Köpfe der KI-Revolution liefern, arbeitet Marvell Technology im Maschinenraum an den Gefäßen und Leitungen. Die Frage ist: Kann die Infrastruktur mit dem Tempo der Algorithmen Schritt halten?

Neue Hardware gegen den Datenstau

Auf der Fachkonferenz FMS 2026 hat Marvell am vergangenen Dienstag seine Antwort auf diese Herausforderung präsentiert. Das Unternehmen stellte ein neues Portfolio für KI-Speicherinfrastruktur vor, das vor allem durch den Bravera SC6 glänzt. Dieser SSD-Controller ist darauf ausgelegt, den sogenannten KV-Cache von teurem, schnellem Speicher auf kostengünstigere SSDs zu verlagern. Das Ziel ist eine effizientere KI-Inferenz, also die Anwendung gelernter Modelle im Alltag.

Besonders interessant für die Industrie: Der neue Controller ist „NAND-agnostisch“, lässt sich also mit Speicherchips verschiedener Hersteller kombinieren. Erste Musterlieferungen sollen im vierten Quartal 2026 beginnen. Ergänzt wird dies durch Lösungen wie die „Photonic Fabric“, die optische Speicherfreigabe ermöglichen soll. Es ist ein hochspezialisiertes Feld, in dem Marvell versucht, sich als unverzichtbarer Partner für Cloud-Giganten zu positionieren. Um diese Entwicklung voranzutreiben, kündigte das Management zudem eine Investition von 250 Millionen US-Dollar in Indien an, um dort über die nächsten drei Jahre die Forschungs- und Entwicklungszentren in Bangalore und Hyderabad massiv auszubauen.

Rekordprognosen und Analysten-Zwist

Dass dieser Fokus auf KI-Infrastruktur Früchte tragen könnte, deutet die jüngste Prognose an. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027, dessen Zahlen Marvell am 27. August vorlegen wird, stellt das Unternehmen einen Umsatz von etwa 2,7 Milliarden US-Dollar in Aussicht – ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Gewinn je Aktie (Non-GAAP) wird ein Anstieg um 38 Prozent auf 0,93 US-Dollar angestrebt.

Diese ehrgeizigen Ziele spalten jedoch die Expertenlager. John Vinh vom Analysehaus KeyBanc hob am Dienstag sein Kursziel auf 400,00 US-Dollar an und verwies auf die starke Nachfrage in KI-Rechenzentren sowie Marvells Dominanz bei kundenspezifischen Chips. Im Gegensatz dazu stufte die Erste Group das Papier am selben Tag von „Kaufen“ auf „Halten“ ab. Die Analysten dort sorgen sich um die hohe Kundenkonzentration und eine Bewertung, die sie angesichts des sich verlangsamenden Gewinnwachstums als zu hoch empfinden. Morgan Stanley wiederum sieht künftige Chancen vor allem in der Zusammenarbeit mit Google an dessen Frozen v2 KI-Chip, bleibt aber vorerst bei einer neutralen Gewichtung mit einem Kursziel von 195,00 US-Dollar.

Strategische Weichenstellungen

An der Börse spiegeln die Daten die enorme Erwartungshaltung wider. Seit Jahresbeginn verbucht die Aktie ein Plus von 159,51 %. Dennoch zeigt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 34,85 %, dass der Weg nach oben zuletzt steiniger wurde. Am Freitag legte das Papier um 3,48 % zu, was auf eine leichte Erholung hindeutet, während die Anleger auf den nächsten großen Impuls warten.

In den Führungsetagen und bei institutionellen Investoren herrscht derweil rege Betriebsamkeit. Während PensionDanmark Pensionsforsikringsaktieselskab ihre Beteiligung an Marvell laut Medienberichten zuletzt aufstockte, gab es auf der Verkäuferseite eine nennenswerte Insider-Transaktion: COO Chris Koopmans veräußerte bereits am 1. Juli 10.000 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 281,92 US-Dollar, was einem Gesamtwert von rund 2,82 Millionen US-Dollar entspricht.

Spannend wird es nun im Herbst. Kurz nach den Quartalszahlen Ende August lädt Marvell für den 6. Oktober zu einem Investorentag nach New York ein. Dort wird das Management seine langfristige Strategie für die KI-Ära detailliert erläutern müssen. Für Anleger bleibt die Kernfrage bestehen: Ist Marvell nur ein Profiteur des aktuellen Hypes oder der Architekt einer neuen, effizienteren Datenwelt? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die fundamentalen Daten die ambitionierten Kursziele der Bullen rechtfertigen können.

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