Marvells größerer Kreditrahmen beantwortet nicht die zentralen Bedenken gegenüber dem Lumentum-Geschäft. Diese betreffen vor allem den geplanten Aktientausch und dessen Folgen für die Aktionäre. Damit stehen zwei unterschiedliche Fragen im Mittelpunkt: der Zugang zu Fremdkapital einerseits und die Belastungen durch die vereinbarte Übernahme andererseits.
Mehr Spielraum bei der Finanzierung
Am 23. Oktober legte Marvell eine neue revolvierende Kreditlinie über bis zu 3 Milliarden $ offen. Sie ersetzt die bisherige Vereinbarung über 1,5 Milliarden $. Unter bestimmten Voraussetzungen lassen sich die Kreditzusagen um insgesamt bis zu 2 Milliarden $ erhöhen.
Damit erweitert Marvell seinen vertraglichen Finanzierungsspielraum. Eine Kreditlinie ist allerdings nicht mit einer vollständigen Inanspruchnahme gleichzusetzen. Ebenso wenig lässt sich daraus eine Barfinanzierung des Lumentum-Geschäfts ableiten: Für die am Montag vereinbarte Transaktion ist ausschließlich ein Aktientausch vorgesehen.
Lumentum-Aktionäre sollen je Anteil 4,5 Marvell-Aktien erhalten. Die Unternehmen beziffern den impliziten Unternehmenswert von Lumentum auf 115 Milliarden $. Der Abschluss wird im ersten Halbjahr 2028 erwartet und steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Aktionären und Aufsichtsbehörden.
Die Kritik betrifft die Aktienstruktur
Der zusätzliche Kreditspielraum beseitigt deshalb nicht automatisch die von Analysten angesprochenen Risiken. Ihre Einwände richten sich gegen die Ausgestaltung der Transaktion und mögliche Folgen für Ergebnis und Aktienangebot.
Medienberichten zufolge stufte Sean O’Loughlin von TD Cowen Marvell gestern von Kaufen auf Halten herab. Das Kursziel sank von 350 $ auf 175 $. Er verwies auf Struktur und Zeitpunkt des Geschäfts sowie eine erwartete Ergebnisverwässerung.
Hinzu kam seine Sorge, der Markt für optische Technologien könne nahe einem zyklischen Höhepunkt stehen. Vivek Arya von Bank of America verwies bei seiner gestrigen Herabstufung auf einen möglichen Angebotsüberhang an Marvell-Aktien infolge der Transaktion.
Synergien müssen die Belastungen aufwiegen
Marvell stellt diesen Risiken erwartete Einsparungen gegenüber. Das Unternehmen rechnet mit jährlichen Kostensynergien von mehr als 1 Milliarde $. Bereits im ersten Jahr nach Abschluss soll die Kombination den bereinigten Gewinn je Aktie auf Nicht-GAAP-Basis erhöhen.
Diese Aussagen sind Erwartungen, keine bereits erzielten Ergebnisse. Für Anleger liegt der entscheidende Prüfstein deshalb nicht allein im erweiterten Zugang zu Krediten. Maßgeblich ist, ob die erwarteten Einsparungen und Ergebnisbeiträge die von Analysten befürchteten Belastungen tatsächlich ausgleichen. Der größere Kreditrahmen schafft Finanzierungsspielraum; einen Nachweis für den wirtschaftlichen Erfolg des Aktientauschs liefert er nicht.
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