Es reicht manchmal ein einziger Satz von der richtigen Person. Jensen Huang, CEO von Nvidia und seit Jahren so etwas wie der Hohepriester der KI-Branche, trat diese Woche beim Computex in Taipeh ans Mikrofon und nannte Marvell Technology schlicht das nächste Billionen-Unternehmen. Was danach passierte, war absehbar und trotzdem heftig: Die Marvell-Aktie schoss im Handel am Dienstag um rund 32 Prozent auf 290,79 Dollar nach oben. Rund 60 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung, in einer einzigen Session.
Kein leeres Lob
Nun könnte man das als PR-Auftritt abtun. Aber Huang hat Gründe, Marvell zu loben, und zwar handfeste. Anfang des Jahres investierte Nvidia 2 Milliarden Dollar in den Chipentwickler, um die Integration von Marvells KI-Chips mit Nvidias eigener Netzwerktechnik und Prozessoren zu erleichtern. Wer so viel Geld reinsteckt, hat ein Interesse daran, dass die Sache funktioniert.
Marvell selbst hatte schon vergangene Woche für Aufmerksamkeit gesorgt, als das Unternehmen ankündigte, das Custom-Chip-Geschäft bis zum Geschäftsjahr 2029 auf mehr als 10 Milliarden Dollar Umsatz zu bringen. Cloud-Konzerne bauen ihre KI-Rechenzentren in einem Tempo aus, das diese Prognose gar nicht so weit hergeholt erscheinen lässt.
Marvell Technology Aktie Chart
254 Milliarden Dollar, Ziel: eine Billion
Aktuell bringt Marvell etwa 254 Milliarden Dollar auf die Waage. Eine Billion klingt da noch weit weg. Aber Reuters hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Micron und SK Hynix vor einem Jahr noch bei knapp 100 Milliarden Dollar standen, und heute beide die Billionenmarke überschritten haben. Der KI-Boom hat Bewertungssprünge möglich gemacht, die vor zwei Jahren niemand ernsthaft modelliert hätte.
Marvells Interconnect-Technologien, also die Verbindungslösungen zwischen Tausenden von Prozessoren in großen Rechenzentren, sind dabei kein Nebenpunkt. Sie sind der Klebstoff, ohne den KI-Infrastruktur in dieser Größenordnung schlicht nicht funktioniert.
Huang sagt es, der Markt glaubt es
Ob Marvell die Billion tatsächlich erreicht, weiß heute niemand. Aber eines ist klar: Wenn Jensen Huang jemanden öffentlich adelt, hört der Markt zu. Manchmal sogar mit 30 Prozent Aufschlag.
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