Marvell: Aktie bricht trotz Rekordquartal ein

Symbolbild, KI-generiert

Marvell steigert Umsatz und Data-Center-Geschäft deutlich, doch verzögerte Google-Erlöse und hohe Bewertung belasten die Aktie kurzfristig.

Auf einen Blick:
  • Umsatz wächst im zweiten Quartal
  • Data-Center-Sparte legt kräftig zu
  • Google-Auftrag wirkt erst später
  • Analyst Day findet im Oktober statt

Ein Rekordquartal, ein Milliarden-Deal mit Google – und trotzdem bricht die Aktie ein. Wer diese Reaktion verstehen will, muss zwischen kurzfristiger Enttäuschung und langfristiger Story unterscheiden. Für mich überwiegt derzeit die zweite Perspektive, auch wenn der Kurs das gerade nicht zeigt.

Marvell Technology legte für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 2,74 Milliarden US-Dollar vor, ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie kletterte um 40 Prozent auf 0,94 US-Dollar. Das Data-Center-Geschäft, mittlerweile 79 Prozent des Gesamtumsatzes, wuchs sogar um 46 Prozent auf 2,17 Milliarden US-Dollar.

Trotzdem fiel die Aktie am 28. August um rund zehn Prozent – ein Marktwertverlust von mehr als 17 Milliarden US-Dollar an einem einzigen Tag. Das ist die Art von Divergenz, die Anleger nervös macht.

Der Google-Deal: Chance mit Zeitverzögerung

Der Auslöser der Verkaufswelle liegt nicht in schwachen Zahlen, sondern in der Struktur eines an sich gigantischen Auftrags. Marvell hat seine Vereinbarung mit Google auf bis zu 120 Milliarden US-Dollar bis zum Geschäftsjahr 2033 ausgeweitet, inklusive eines Warrants über knapp 59 Millionen Aktien zu einem Ausübungspreis von 206,58 US-Dollar.

Das Problem für den Markt: Der Großteil dieses Volumens greift erst ab dem Geschäftsjahr 2029. Wer kurzfristig auf Kurssprünge durch diesen Deal gewettet hatte, wurde ausgebremst.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr liegt bei rund 12 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 45 Prozent, für das Folgejahr wird mit 18 Milliarden US-Dollar gerechnet – angehoben von zuvor 16,5 Milliarden. Das ist kein schwaches Bild, aber der Markt hatte offenbar mehr Tempo eingepreist.

Hinzu kommt die Bewertung: Zum Zeitpunkt des Ausverkaufs handelte Marvell zum 58-fachen der erwarteten Gewinne, ein Aufschlag von 82 Prozent gegenüber Broadcom, das mit rund dem 32-Fachen bewertet wird. Diese Prämie lässt sich nur rechtfertigen, wenn das Wachstum tatsächlich beschleunigt – und genau daran zweifelte der Markt kurzzeitig, als klar wurde, dass die Google-Milliarden erst in einigen Jahren voll durchschlagen.

Warum ich die Reaktion für überzogen halte

36 Analysten bewerten die Aktie mehrheitlich mit Strong Buy, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 290,94 US-Dollar. Melius rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 20 US-Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts. Das sind keine Ausreißer-Meinungen, sondern ein breiter Konsens, der die operative Substanz honoriert.

Die operative Marge lag im Quartal bei 36,6 Prozent, ein Plus von 180 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr, für das vierte Quartal wird bereits eine Spanne von 38 bis 40 Prozent avisiert. Für mich spricht das dafür, dass die Profitabilität mit dem Wachstum Schritt hält – ein Punkt, der in der Kursdebatte oft untergeht.

Der Marktkommentator Jim Cramer riet Anlegern, nicht gegen die Aktie zu wetten, bevor Marvell am 6. Oktober seinen Analyst Day abhält – ein Termin, der neue Details zur langfristigen Google-Partnerschaft liefern dürfte und aus meiner Sicht der eigentliche nächste Katalysator ist.

Am gestrigen Dienstag schloss die Aktie bei 181,14 Euro, nach einem Rückgang von 14 Prozent auf Wochensicht, notiert aber immer noch 149 Prozent im Plus seit Jahresbeginn. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro beträgt derzeit 38 Prozent – ein Hinweis darauf, wie viel Euphorie im Sommer bereits eingepreist war und wie stark die Korrektur seither ausgefallen ist.

Der breitere Marktrückgang vom Dienstag, ausgelöst durch steigende Anleiherenditen, traf Chipwerte insgesamt: Neben Marvell verloren auch Qualcomm und Intel im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Fazit

Die Google-Partnerschaft ist kein Strohfeuer, sondern ein strukturelles Wachstumsversprechen mit Verzögerung. Wer kurzfristigen Kurslärm aushält, dürfte in den kommenden Jahren von einem der ambitioniertesten Data-Center-Wachstumspfade der Branche profitieren. Der Analyst Day im Oktober wird zeigen, ob diese These trägt – für mich überwiegen die Chancen, auch wenn die Bewertung wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.

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