Der australische Seltene-Erden-Spezialist Lynas Rare Earths sieht sich trotz eines massiven Umsatzwachstums mit wachsendem Kostendruck und operativen Schwierigkeiten konfrontiert. Während die Erlöse im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich zulegten, belasteten teure Bauvorhaben und geopolitische Verwerfungen das Endergebnis. Am Markt sorgte dies für Ernüchterung: Am Freitag gab die Aktie im deutschen Handel um 2,3 Prozent auf 9,92 Euro nach.
Gewinnziel verfehlt trotz Rekordumsatz
Die am Mittwoch präsentierten Zahlen für das Geschäftsjahr 2026, das am 30. Juni endete, zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Der Umsatz des Konzerns kletterte um 76 Prozent auf 977,9 Millionen Australische Dollar (AUD).
Noch deutlicher fiel das Plus beim EBITDA aus, das um 282 Prozent auf 386,0 Millionen AUD stieg. Der Nettogewinn nach Steuern verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr von 8,0 Millionen auf 222,4 Millionen AUD.
Dennoch blieb das Ergebnis hinter den Markterwartungen zurück. Laut Reuters hatten Analysten im Konsens mit einem Nettogewinn von 242,5 Millionen AUD gerechnet. Dieses Verfehlen der Prognosen belastete die Stimmung der Anleger, obwohl das Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf mit einem Kursplus von 38 Prozent weiterhin eine positive Bilanz vorweisen kann.
Geopolitische Risiken verteuern den Ausbau
Ein zentraler Grund für das schwächere Abschneiden sind die massiv gestiegenen Investitionskosten. Die Ausgaben für die neue Anlage zur Verarbeitung schwerer Seltener Erden in Malaysia eskalierten um 63 Prozent auf nunmehr 294 Millionen AUD. Medienberichten zufolge führt das Unternehmen dies auf die geopolitisch bedingte Inflation und die bewusste Entscheidung zurück, Ausrüstungsteile außerhalb Chinas zu beschaffen.
Zusätzlich treiben steigende Rohstoffpreise die operativen Kosten in die Höhe. Insbesondere der Preis für Schwefelsäure, ein essenzieller Stoff für die Verarbeitung, ist sprunghaft angestiegen. Wie Free Malaysia Today berichtet, haben kriegerische Auseinandersetzungen im Nahen Osten die Lieferketten für diesen Hilfsstoff erheblich beeinträchtigt und die Beschaffung verteuert.
Operative Hürden und strategische Neuausrichtung
Neben den Kostenfaktoren bereiteten technische Probleme Sorgen. Am Standort Mt Weld erreichte die Flotationsanlage im Dezember 2025 lediglich 70 Prozent ihrer Designkapazität. Schwankungen in der Erzqualität erschwerten zudem die nachgelagerte Verarbeitung im letzten Geschäftsquartal. Interims-CEO Pol Le Roux bezeichnete diese Phase als eine „sehr schmerzhafte Zeit“, da die technischen Herausforderungen äußerst komplex gewesen seien.
Trotz dieser Rückschläge forciert Lynas die Expansion und die Diversifizierung der Lieferketten. Le Roux gab bekannt, dass sich das Unternehmen in Gesprächen mit Entwicklern von Ionen-Ton-Lagerstätten weltweit befinde, um neue Rohstoffquellen zu sichern.
Parallel dazu werden Verhandlungen über den Bau einer Magnetfertigung in den USA geführt. Während die strategische Neuausrichtung voranschreitet, hält die Suche nach einer neuen dauerhaften Führungskraft an, nachdem die langjährige Konzernchefin Amanda Lacaze in den Ruhestand getreten ist.
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