Am Mittwoch berichtete die brasilianische Tageszeitung Folha über Verhandlungen der staatlichen Förderbank BNDES zur Finanzierung des Caldeira-Projekts im Bundesstaat Minas Gerais. Geprüft werde dabei auch eine Minderheitsbeteiligung über die Beteiligungstochter BNDESPar. Für Lynas Rare Earths rücken damit konkrete Finanzierungsmodelle in den Mittelpunkt, während der australische Konzern seine Lieferketten breiter aufstellt.
Bislang ist keine Finanzierungszusage erteilt, Konditionen und Fördersummen bleiben offen. Das Vorhaben zählt zu Dutzenden Projekten eines brasilianischen Programms für eine stärkere industrielle Wertschöpfung im Land. Zudem liegt bereits eine Vereinbarung mit Posco International über Verhandlungen zur Abnahme von bis zu 30 Prozent der künftigen Produktion vor.
Für das Management geht es bei den südamerikanischen Plänen um mehr als reine Mengenausweitung. Der Schritt in den Bundesstaat Minas Gerais markiert für die Australier den Einstieg in eine andere Lagerstättenform. Bislang dominiert die klassische Hartgesteinsförderung das operative Geschäft. Mit der Erschließung von Tonmineralisierungen betritt Lynas technisch Neuland, was veränderte Gewinnungsverfahren erfordert.
Milliardenressource auf Basis ionischer Tone
Im Rahmen der geplanten Übernahme von Meteoric Resources veranschlagt Lynas für die Erschließung von Caldeira Investitionen von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Die Lagerstätte gilt gemäß dem JORC-Standard als die größte bekannte Ressource ionischer Tonerden für Seltene-Erden-Oxide außerhalb Chinas. Meteoric beziffert die gesamten Mineralressourcen vor Ort auf rund 1,6 Milliarden Tonnen.
Der Abbau der weichen Tonmineralisierung kommt ohne Bohren und Sprengen aus. Weil der entwässerte Ton für eine trockene Rückverfüllung geeignet ist, benötigt das Vorhaben keine Absetzbecken. Zudem prüft Lynas eine zusätzliche Weiterverarbeitung im Land, um die lokale Veredelung auszubauen.
Die Erweiterung der Rohstoffbasis zielt vor allem auf schwere Seltene Erden für moderne Industriemagnete ab. Beobachter werten die Diversifizierung als Absicherung gegen bestehende Risiken in der bisherigen Lieferkette. Gleichzeitig verlangt die Umsetzung den Nachweis, dass sich die Laugungsprozesse im industriellen Maßstab wirtschaftlich betreiben lassen.
Behördliche Schritte und Terminplan
Eine Machbarkeitsstudie peilt über die Projektlaufzeit eine jährliche Produktion von 3.862 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxiden an. Durch die Transaktion würden die gemessenen und angezeigten Ressourcen von Lynas um 79 Prozent steigen. Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt gerichtlicher und behördlicher Freigaben in Brasilien und ist indikativ für März 2027 geplant.
Für die Anteilseigner verlagert sich das Augenmerk damit auf die Genehmigungsverfahren in Südamerika. Neben behördlichen Auflagen entscheiden vor allem die tatsächlichen Erschließungskosten über den künftigen Erfolg des Projekts. Auf der anderen Seite bietet eine staatliche Kofinanzierung die Chance, die finanzielle Belastung für das australische Unternehmen abzufedern.
An den Finanzmärkten zeigten sich die Anleger zuletzt vorsichtig. Die Aktie von Lynas Rare Earths beendete den Handel gestern bei 7,62 Euro, was einem Tagesverlust von 4,7 Prozent entspricht. Mit diesem Niveau notiert das Wertpapier 25 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.
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