Bernstein hat am 3. September die Erwartungen für die gesamte Luxusbranche nach unten korrigiert. Die Analysten kappten ihre Prognose für das organische Branchenwachstum im dritten Quartal um 110 Basispunkte auf 4,9 Prozent, nach 6,3 Prozent im zweiten Quartal.
Für LVMH selbst reduzierte Bernstein die Schätzungen für das organische Umsatzwachstum 2026 und 2027 um jeweils 66 Basispunkte. Die Gewinnschätzung je Aktie sank für 2026 um ein Prozent, für 2027 um 6,1 Prozent. Trotz der Abwärtsrevision beließ das Analysehaus die Einstufung bei Outperform mit einem Kursziel von 570 Euro.
Die Korrektur reiht sich in eine Serie schwacher Signale aus der Branche ein. Bereits die Aufteilung des LVMH-Konzerns zeigt, wo der Druck am größten ist: Die Sparte Mode und Lederwaren steht für 47 Prozent des Konzernumsatzes und 72 Prozent des operativen Gewinns – entsprechend schwer wiegt jede Verlangsamung in diesem Bereich für die Gesamtzahlen.
Aktie nahe am Jahrestief
Der Markt hat die Vorsicht der Analysten längst eingepreist. Die LVMH-Aktie notiert aktuell bei 419,00 Euro und liegt damit nur noch 3,4 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 405,05 Euro, das erst vor wenigen Tagen markiert wurde. Zum bisherigen Jahreshoch von 654,40 Euro aus dem vergangenen November klafft eine Lücke von 36 Prozent. Der Titel gehört damit zu den schwächsten Werten im europäischen Luxussegment des laufenden Jahres.
Die fundamentale Basis für die vorsichtigere Einschätzung liefern die Halbjahreszahlen aus dem Sommer. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz organisch um zwei Prozent auf 38,6 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Die Sparte Mode und Lederwaren kehrte nach sieben aufeinanderfolgenden Quartalen mit Rückgängen wieder ins Plus – wenn auch nur um ein Prozent.
Der Konzerngewinn blieb mit 5,70 Milliarden Euro stabil und übertraf die Konsensschätzung von 5,22 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank dagegen um vier Prozent auf 8,69 Milliarden Euro, die operative Marge lag bei 22,5 Prozent.
Uneinheitlich zeigten sich die übrigen Sparten: Uhren und Schmuck legten organisch um elf Prozent zu, Weine und Spirituosen um fünf Prozent, während Parfums und Kosmetik ein Prozent verloren.
Blick nach vorn
Für Anleger rückt nun der 20. Oktober in den Fokus, wenn LVMH die nächsten Geschäftszahlen vorlegt. Sie werden zeigen müssen, ob sich die von Bernstein diagnostizierte Wachstumsverlangsamung in der Branche auch bei LVMH konkret niederschlägt oder ob die leichte Erholung im Modebereich aus dem ersten Halbjahr Bestand hat.
Bis dahin bleibt die Stimmung um den Konzern fragil: Die reduzierten Prognosen treffen auf eine Aktie, die bereits deutlich unter ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 510,01 Euro notiert – ein Abstand von 18 Prozent, der die anhaltende Schwächephase des Titels unterstreicht.
Abseits der Zahlen setzte der Konzern Anfang September mit der 13. Ausgabe des LVMH-Nachwuchspreises für junge Modedesigner ein kulturelles Zeichen: In der Fondation Louis Vuitton kürte eine Jury unter anderem mit Delphine Arnault und Pietro Beccari die Designerin Julie Kegels als Hauptpreisträgerin.
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