Der weltweite Markt für Sportbekleidung gerät zunehmend in einen zähen Verdrängungswettbewerb. Am Freitag schockierte das Branchenschwergewicht Nike die Anleger mit einer schwachen Prognose und warnte vor anhaltender Konsumzurückhaltung. Konzernchef Elliott Hill betonte dabei, dass stärkere Preisnachlässe auch die Wettbewerber spürbar unter Druck setzen dürften. Für Lululemon verschärft dieses schwierige Marktumfeld die ohnehin angespannte Lage.
Zusätzliche Skepsis schürt die veränderte Preispolitik im eigenen Sortiment. Laut KeyBanc waren zuletzt 43 Prozent der Artikel bei Lululemon mit Preisnachlässen versehen. An den Handelsplätzen schlägt sich die gedämpfte Stimmung deutlich nieder. Am Freitag notierte das Papier zum Handelsschluss bei 83,90 Euro, womit sich das Minus seit Jahresbeginn auf 54 Prozent beläuft.
Für die neue Vorstandschefin Heidi O’Neill wachsen damit die operativen Herausforderungen. Die Marke, die über Jahre hinweg von treuer Kundschaft und stabilen Vollpreisen ohne größere Nachlässe getragen wurde, muss sich in einem spürbar kühleren Konsumklima neu aufstellen. Die Sorge vor einer anhaltenden Rabattschlacht trübt die Zuversicht vieler Marktteilnehmer.
Wall Street schraubt Erwartungen zurück
An den Finanzmärkten schwindet das Vertrauen zusehends. Das Analysehaus Morgan Stanley stufte die Aktie mit „Underweight“ ein und senkte das Kursziel auf 83 US-Dollar. Parallel dazu reduzierte Barclays die Zielmarke auf 95 US-Dollar bei einer unveränderten Einstufung mit „Equal Weight“.
Mehrere Branchenbeobachter verweisen auf die Gefahr, dass Lululemon seine einst robuste Preissetzungsmacht einbüßen könnte. Wenn große Wettbewerber ihre Bestände über drastische Aktionen in den Markt drücken, geraten auch höherpreisige Anbieter in Zugzwang. Investoren reagieren daher empfindlich auf jede Andeutung schrumpfender Margen.
Operativer Druck im Kernmarkt
Die operative Entwicklung spiegelt diese Reibungsverluste bereits wider. Vor rund einem Monat senkte das Management die Jahresprognose und stellte für das Gesamtjahr einen Umsatzrückgang von bis zu 7 Prozent in Aussicht. Im zweiten Quartal belief sich der Erlös auf 2,42 Milliarden US-Dollar. Besonders im wichtigen Heimatmarkt zeigte sich die Zurückhaltung der Kundschaft: In der Region Americas sanken die vergleichbaren Verkäufe um 12 Prozent.
Immerhin gelang es dem Unternehmen, die Lagerbestände weitgehend stabil zu halten. Das Management arbeitet nun an einer Anpassung des Produktangebots, um die Begehrlichkeit der Kollektionen wieder zu beleben. Für Investoren wird im anstehenden Weihnachtsgeschäft entscheidend sein, wie widerstandsfähig sich die Ertragskraft gegenüber dem branchenweiten Preisdruck behauptet.
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