Lululemon liefert die nächste Hiobsbotschaft in einer langen Serie. Zum zweiten Mal in diesem Jahr kappt der Sportbekleidungskonzern seine Jahresziele, die Aktie bricht vorbörslich um rund 18 bis 19 Prozent ein. Der Kurs fällt damit auf den tiefsten Stand seit 2018 — und das ausgerechnet wenige Tage bevor mit Heidi O’Neill eine neue Chefin das Ruder übernimmt.
Die Zahlen zum zweiten Quartal offenbaren, wie tief das Problem sitzt. In Nordamerika, dem größten Markt des Unternehmens, brach der Umsatz um 8 Prozent ein — nach einem Plus von 1 Prozent im Vorjahr. Bei Damenbekleidung ging es um 4 Prozent zurück. Jefferies-Analyst Randal Konik sprach von einem „dreifachen Hammer“ im Quartal.
China wird zur zentralen Enttäuschung
Besonders schmerzhaft: Ausgerechnet China, lange als Wachstumshoffnung gehandelt, entwickelt sich zum Sorgenkind. Statt des erwarteten Umsatzplus von 13 Prozent verzeichnete Lululemon dort einen Rückgang um 8 Prozent.
Citigroup-Analyst Paul Lejuez hält diese Entwicklung für die eigentliche Enttäuschung des Quartals. Für das laufende Jahr rechnet das Management in China nun nur noch mit einem Umsatzanstieg im hohen einstelligen Prozentbereich — der Marktkonsens hatte zuvor rund 19 Prozent erwartet.
Beim Gewinn je Aktie halfen offenbar nur Zollrückerstattungen über Wasser. Ohne diesen Sondereffekt wäre das Ergebnis deutlich schwächer ausgefallen, wie Konik anmerkt.
Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend deutlich aus: Mindestens zwölf Banken senkten ihre Kursziele, Piper Sandler markiert mit 80 Dollar den niedrigsten Wert am Markt. Damit verliert Lululemon binnen eines Handelstages mehrere Milliarden Dollar an Marktwert, der Kurs notiert nun rund 40 Prozent unter dem Stand von Jahresbeginn.
Bewertungstechnisch zeigt sich die Kluft zur Konkurrenz deutlich: Mit dem rund 11,5-fachen der erwarteten Jahresgewinne wird Lululemon inzwischen deutlich günstiger gehandelt als Nike oder Adidas.
Auch die deutsche Konkurrenz spürt den Gegenwind. Adidas und Puma gaben vorbörslich moderat nach, während Nike leichte Verluste verzeichnete — die Sorge vor einer branchenweiten Nachfrageschwäche schwappt über.
Schwere Erbschaft für die neue Chefin
Heidi O’Neill, ehemalige Nike-Managerin, tritt ihr Amt am 8. September an und übernimmt damit ein Unternehmen mitten in der Krise. Ihre erste Aufgabe: die Nachfrage im nordamerikanischen Kerngeschäft wiederbeleben, das seit mehreren Quartalen mit Merchandising-Fehlern, übermäßigen Rabattaktionen und wachsendem Wettbewerbsdruck kämpft.
Morgan Stanley warnt bereits vor einer weiteren Verschlechterung im zweiten Halbjahr — mit begrenzter Sichtbarkeit, wann sich die Nachfrage tatsächlich stabilisiert.
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